Lians Stimtoy-Sammlung (Video)

Lian präsentiert eine „kleine“ Sammlung an Stim-Spielzeugen. Viel Stimming, wenig Gerede.

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Neurodivergenz und Geschlecht

In unserem Aufruf haben wir um Texte zum Zusammenspiel von Neurodivergenz und Geschlecht gebeten, vor allem in Hinblick, wie sich Eure Neurodivergenz auf Euer Geschlecht(-sempfinden) auswirkt.

Hier sind einige Beiträge:

Lian schreibt:

Ich habe aufgrund meiner Neurodivergenz große Schwierigkeiten, mein Geschlecht zu benennen.

Ich wusste zwar schon als Kind, dass ich weder Mädchen noch Junge bin, aber nachdem mir Cisnormativität eingeimpft wurde, akzeptierte ich für lange Zeit mein Schicksal, als „Mädchen“ leben zu müssen, was zu unzähligen Meltdowns und jahrelangem Selbsthass führte.

Die Erkenntnis, dass Geschlecht eben nicht zwischen den Beinen, sondern im Kopf sitzt, war für mich ein Befreiungsschlag, machte mir aber auch bewusst, dass ich keine Ahnung habe, wie mein Geschlecht heißt.

Meine Versuche, mich als „Mann“ zu sehen, haben mir nur deshalb weniger geschadet, weil ich es weniger lang versuchte.

Ich begreife nicht, was „Frau“ oder „Mann“ unabhängig von Körperlichkeiten und Geschlechterrollen bedeuten. Für andere Geschlechter ist es genauso schwierig: Ich kann mir Definitionen durchlesen, aber nicht verstehen.

Also bin ich dazu übergegangen, nachzuforschen, wie ich mich fühle in Bezug auf Körperteile, Kleidung, Namen, Pronomen und Anrede.

Mein Verhältnis zu meinem Körper ist durchwachsen: Modifikationen an Hormonsystem und Reproduktionssystem wünsche ich mir hauptsächlich aus gesundheitlichen Gründen und weil ich meinen Uterus abgrundtief hasse. Ist das Dysphorie? Woher soll ich das wissen? Ich weiß nicht, ob ich meinen Uterus hasse, weil er nicht zu meinem „Geschlecht“ passt oder weil er mir Schmerzen bereitet. Woher wissen Leute so was?

Brüste stören mich meistens nicht, weil mein äußeres Erscheinungsbild mir gleichgültig ist.

„Herren“-Kleidung bevorzuge ich hauptsächlich deshalb, weil die Schnitte erträglicher sind und „Damen“-Kleidung für mich unaushaltbar unbequem ist.
Als Name kam immer nur etwas Geschlechtsneutrales in Frage. Außerdem hat mein selbstgewählter Name eine schöne Farbe. Mein Geburtsname hingegen ist hässlich und falsch.

Pronomen stören mich. Am liebsten sind mir neutrale Pronomen, aber im Alltag benutze ich im Moment „er“.

Als Anrede stört mich „Frau“ mehr als „Herr“, aber vermutlich nur, weil ich mir das „Herr“ wenigstens selbst raussuchen durfte.

Insgesamt habe ich beschlossen, dass eine Transition sinnvoll wäre und Anfang 2015 mit der Zwangs-Begleittherapie begonnen.

Das ist natürlich der absolute Horror. Nicht nur, dass mein Therapeut keine Ahnung von nicht-binären Geschlechtern oder meinen Neurodivergenzen hat; er versteht auch nicht, dass ich nicht im Gesamtbild „Geschlecht“ arbeite, sondern mit einzelnen Aspekten.

Wenn ich also sage, dass Geschlecht für mich nichts Körperliches ist, versteht er nicht, warum ich trotzdem körperliche Veränderungen will. Natürlich darf ich ihm nicht nochmal erklären, dass ich meinen Uterus hasse, denn er sagte mir schon ganz am Anfang, dass das kein Grund für eine Transition wäre. Dass ich mir mehr Körper- und Gesichtsbehaarung wünsche, wäre „so was wie eine Schönheits-OP“ und dass ich es hasse, als „Frau“ bezeichnet zu werden, findet er, wäre alleine kein Grund.
Er ist auch der Meinung, Leute mit „zu vielen psychischen Störungen“ sollten keine Transition machen. (Das sagte er mir ganz am Anfang, als er dachte, ich wäre total neurotypisch.) Er unterstützt mich zwar widerwillig, aber das alles schadet mir sehr und ich wünsche mir nur, einfach akzeptiert zu werden und gesundheitlich notwendige Behandlungen machen und aussuchen zu dürfen, ohne irgendwem beweisen zu müssen, irgendein Geschlecht zu haben, das ich nicht verstehe.

Anonym schreibt:

Geschlecht ist für mich weniger spielerischer Selbstausdruck und mehr eine Quelle für Anxiety in alle Richtungen. Ich versuche, das anders zu handhaben, so, wie ich mir die coolen lockeren Leute von Tumblr vorstelle, aber entspannt sein ist so anstrengend!

Nachdem ich von nichtbinären Geschlechtern erfahren habe, hab ich mir lange vorgeworfen, dass ich mir das einrede, um etwas Besonderes zu sein. Deswegen spürte ich dauernd nach, was mein eigentliches, wahres Geschlecht sein könnte. Ich befürchtete, das Geschlechterthema wäre nur eine Masche meines Kopfes, um mich fertig zu machen, und irgendwann würde er sich ein neues Thema schnappen und damit das selbe machen, und die Trans*-Sache wäre damit vergessen. Auf diese Masche reinzufallen, wäre mir peinlich gewesen. Mein Geschlecht kam mir genauso verschwommen und launisch vor wie alles andere an mir auch. Erst, als ich ein paar Monate lang mitnotierte, begann ich, mich als genderfluid zu sehen, statt bei jedem Wechsel zu denken, ich hätte mich geirrt und gelogen und das hätte alles keinen Zusammenhang.

Anders als viele (?) genderfluide Menschen drücke ich diese Veränderungen kaum durch Kleidung aus. Ich trage meist über längere Zeit nur verschiedene Varianten des selben, in erster Linie bequem. Zwar würde ich oft gerne maskuliner aussehen (eeeeinmal in schlechten Lichtverhältnissen für einen Typen gehalten werden, bitte!), aber selbst meinen Kleidungsstil oder meine Frisur dafür zu ändern sieht einfach nach zu viel Aufwand aus und ich lasse es. Und Phasen, in denen ich mit meinem Körper weniger klarkomme und mir verzweifelt Veränderungen wünsche, fallen oft mit allgemeiner Endzeitstimmung und Aussichtslosigkeit zusammen, und ich weiß nicht, in welche Richtung das zusammenhängt.

Egal, ob das eine realistische Befürchtung ist, oder ob ich mich falsch einschätze: Leute wissen zu lassen, dass ich genderqueer bin, traue ich mir und meinen Gesprächsskills oft nicht zu. Auch den richtigen Moment zu finden fällt mir schwer, und ohnehin befürchte ich, anmaßend zu sein. Deswegen bin ich sehr froh über Namens- & Pronomensschilder, Vorstellungsrunden, in denen zumindest die Pronomen vorkommen, und alle anderen Versuche, über solche Sachen selbstverständlich und an einer fixen Stelle zu reden. Dass ich obskure Pronomen verwende und einen Namen, der cisnormativ gesehen nicht zu meinem Aussehen passt, macht es für mich da allerdings auch einfach. Für andere Leute bringen diese Formate nicht so viel, solange die Verbindung von Namen und Pronomen mit Geschlecht aufrecht bleibt.

Mira schreibt:

Subjektive Geschlechtswahrnehmung zwischen ND-Kompensation und gesellschaftlichem Konstrukt.

Dieser Text wurde geschrieben aus der Sichtweise einer weißen, als weiblich gelesenen, nicht ganz cis-Frau, die einen Universitätsabschluss in einer Naturwissenschaft hat und mit AD(H)S und Depressionen diagnostiziert wurde.

Ich habe erst vor kurzem mein Geschlecht zu meiner Twitter-Bio hinzugefügt. “mostly cis” steht da. Das ‚mostly‘ hat dabei wirklich eine Bedeutung. In meinem Erwachsenenleben werde ich, soweit ich weiß, weiblich gelesen. Es ist nicht unpassend, aber nicht alles. Müsste ich es in Zahlen fassen, macht dieses “weiblich” so ca. 75% aus.

Wie ich mein Geschlecht wahrgenommen habe, unterlag in meinem Leben Schwankunkungen. Von einem wagen Abweichungsempfinden, über Spass mit ‚als männlich gelesen werden‘, keine Frau sein wollen, glücklich mit dem Frausein ist alles dabei. Aus heutiger Sicht spielt meine Neurodiversität dabei eine Rolle, ist aber vermutlich nicht die ganze Erklärung.

Während ich meinen Frauenkörper, als er sich in der Pupertät bildete, erstmal hasste, habe ich mich mit seiner Anatomie arrangiert. Das Bodyshaming, was mit so einem Frauenkörper kommt, ist bis heute der deutlich größere Teil meiner Akzeptanzprobleme meinem Körper gegenüber. Dies ist ein besonders schwieriges Thema, da ich erst mit über 30 diagnostiziert wurde und bis dahin, sämtliche Gefühle mit Nahrungsaufnahme kompensiert habe.

Bei Störungen der Exekutivfunktionen ist Körperpflege und Aussehen ein Projekt, wenn es nicht gerade ein Hyperfokus ist. In der Pupertät wurde ungekämmt und verratzt aussehen zum Style, denn sonst wäre ich einfach nur ungepflegt gewesen. Haarewaschen und Haarefärben machten subjektiv gleich viel Aufwand, also färbte ich mir die Haare regelmäßig. Die Identifikation mit meinem von der Gesellschaft zugewiesenen Geschlecht war nachrangig gegenüber der Identifikation mit gewissen Subkulturen.

In meinen Gedanken gab es immer einen Bruch zwischen meinem Gender und dem normgesellschaftlichen Konstrukt vom Weiblichen. Ich passte nicht so ganz in dieses Schema. Ich hätte es nicht geschafft mich z. B. jeden morgen zu schminken. Also wollte ich nicht ’so ein Mädchen‘ sein. Phasenweise wollte ich wegen Privilegien, die dem männlichen Geschlecht zuteil sind, selber männlich sein.

Wärend des Studiums an einer Technischen Universität war mein Freundeskreis überwiegend männlich*. Relativ dazu empfand ich mich in dieser Zeit als unglaublich weiblich, was sich auch in meiner Kleidung wiederspiegelte. Seit ich mich durch meinen Beruf wieder in einem sehr normierten Teil der Gesellschaft befinde, empfinde ich meine Abweichung vom Weiblichen wieder sehr deutlich.

Dieses Gefühl wird durch Kompensationsverhalten meiner Neurodiversität noch verstärkt: Meine Kleidung muss so viele Ansprüche erfüllen, dass typisch weibliche* Mode oft nicht in Frage kommt.

Mein Geschlecht weicht vom gesellschaftlich konstruierten ab, was teilweise mit meiner Neurodiversität erklärbar ist. Männliches Aussehen ist aus meiner Sicht einfacher zu handhaben. Allerdings reicht das nicht als Erklärung für meine Selbstwahrnehmung. Was diese 25% sind, bleibt zu entdecken.

Robin schreibt:

Trigger-Content: Vergewaltigung, SVV, Depressionen

Ich habe eine diagonistizierte PTBS (post-traumatische Belastungsstörung) sowie chronische Depressionen und definiere mein Geschlecht als nicht-binär, trans und weitestgehend neutrois. Außerdem habe ich viele Schutzmechanismen und „Ticks“ entwickelt, die ich selbst noch nicht so gut einordnen kann.
Bevor ich von „Neurogender“ gehört habe, konnte ich für mich selbst nicht in Worte fassen, warum ich sagen kann das ich mich doch manchmal weiblich fühle und warum. Mit meiner Neurodiversität habe ich es schon gar nicht in Verbindung gebracht.

Mein erstes Mal Sex war nicht freiwillig. Fast alle ersten sexuellen Erfahrungen musste ich mit meinem Vergewaltiger erleben. Mein ganzes darauffolgendes „Liebesleben“ wurde durch dieses Erlebnis geprägt. Immer wieder habe ich mir Partner gesucht, die mich erniedrigen und ausnutzen, bin aber so gut wie nie Beziehungen eingegangen. Dabei habe ich mich immer wieder in Situationen gebracht, die mir extrem unangenehm waren und für die ich mich im nachhinein schäme. In diesen Momenten fühle ich mich immer viel mehr als Frau und kann dieses Erleben eines Geschlechts einfacher in Worten und Gefühlen erfassen. Eine abgeschwächte Form dieses Empfindens kenne ich auch, wenn es um die wirtschaftliche und soziale Benachteiligung von Frauen* in unserer Gesellschaft geht und ich mich in Schilderungen wiederfinde.
Lange Zeit habe ich mir wegen meines Sexualverhaltens selbst Schmerzen zugefügt. Mein Verhalten wideret mich manchmal so sehr an, dass ich mich vor mir und meinem Körper extrem ekle.

Zusätzlich dazu habe ich eine schwierige Familiengeschichte und darauf aufbauend chronische Depressionen. Mit dem Großteil davon habe ich unfreiwillig keinen Kontakt mehr was mich in der Annahme das ich und besonders auch mein Körper abstoßend und wertlos bin nur bestärkt. Nachdem meine Familie von der Vergewaltigung erfahren hat, wurde mir unterstellt, das ich Lügen erzähle oder mir das nur eingebildet habe. Ich weiß deswegen oft nicht wie ich dazu stehen soll, dass ich ein Problem mit meinem Körper und besonders meiner großen Brust habe. Hat es auch mit meiner Geschlechtsidentität zu tun oder eher damit das ich von Männern sexuell ausgenutzt wurde und nicht nur als Lustobjekt gesehen werden will?

Ich frage mich, ob ich mich überhaupt nicht mehr als Frau empfinden werde wenn ich meine Depressionen überwunden habe oder ob es noch in geschwächter Form erhalten bleibt und wie sich mein Körpergefühl verändern könnte. Ich würde gerne von anderen Menschen lesen denen es ähnlich geht, gerade auch weil mir vieles noch unklar ist und ich nicht weiß wie ich mich ausdrücken kann. Nachdem ich über verschiedene Neurogender gelesen habe würde ich mich am ehesten als Curogender und Traumatagender verstehen, auch wenn mein Empfinden da eher schwammig ist, da ich in jüngster Zeit kaum noch Flashbacks habe.

Falls ich noch einen Beitrag vergessen habe, oder falls jemand noch einen Beitrag hierzu einreichen möchte, bitten wir um Kontakt.

Selbstdiagnosen

Eine Selbstdiagnose ist eine Diagnose, die nicht von einer Fachperson (Ärzt*in, Psychiater*in, Therapeut*in usw.) gestellt wird, sondern von einer Person für sich selbst. Das heißt, dass sich zum Beispiel jemand informiert, was ADHS ist und dann feststellt, dass er*sie ADHS hat.

Selbstdiagnosen werden oft kritisiert und Menschen ohne professionelle Diagnose wird oft gesagt, dass sie sich nicht als Autist*in, Borderliner*in usw. bezeichnen dürfen.

In diesen Beitrag möchte ich darstellen, warum Selbstdiagnosen oft nötig sind und ernstgenommen und respektiert werden sollten.

CN: Erwähnung vom Tod am Ende des Artikels.

Warum sind Selbstdiagnosen nötig?

Für viele Menschen ist der Zugang zu korrekten professionellen Diagnosen durch zahlreiche Probleme erschwert:

  • Legaler Status: Nicht alle Menschen haben (kostenlosen) Zugang zu medizinischer, psychiatrischer oder therapeutischer Behandlung. Beispielsweise für Geflüchtete oder Menschen ohne Aufenthaltserlaubnis besteht praktisch keine Möglichkeit, eine Behandlung oder Diagnose zu erhalten.

  • Sozialer und finanzieller Status: Viele Menschen können sich aus zeitlichen Gründen keine Behandlung oder Diagnostik leisten. Menschen ohne Krankenversicherung oder Leistungsanspruch, wie beispielsweise prekär Selbständige, haben ebenfalls keinen Zugang zu diesen Leistungen. Selbst wenn ein Leistungsanspruch besteht, wirken hohe Anreisekosten oft als zusätzliche Barriere.

  • Barrieren: Für viele Menschen ist es aus unterschiedlichsten Gründen sehr schwierig, Ärzt*innen oder Therapeut*innen zu erreichen. Körperliche Behinderungen, Ängste, exekutive Dysfunktion und vieles weitere können den Zugang zu Terminen und Behandlungsräumen erschweren oder unmöglich machen.

  • Diskriminierung und Ableismus (Behinderten-Feindlichkeit): In vielen Fällen ist es effektiv schädlich, eine Behandlung oder Diagnose zu verfolgen. Das psychiatrische System glänzt in vielen Fällen durch Nichtbehandlung, Fehlbehandlung und schädliche „Therapien“. Aber auch außerhalb ist Diskriminierung aufgrund von Neurodivergenzen oft völlig legal: Zum Beispiel erfordern manche Berufe medizinische Tauglichkeits-Zeugnisse, die nach einer therapeutischen oder psychiatrischen Behandlung nicht mehr zu erhalten sind. Auch auf private Versicherungen, zum Beispiel Berufsunfähigkeits-Versicherungen, können Diagnosen sich negativ auswirken.

  • Stigma: Psychiatrische und therapeutische Hilfe ist in unserer Gesellschaft immer noch stark stigmatisiert. Viele Menschen scheuen sich daher jahrelang, überhaupt entsprechende Hilfe zu suchen. Besonders Menschen, die für ihre (undiagnostizierten) Neurodivergenzen Gewalt erlebt haben, tun sich schwer damit.

  • Stereotype und Vorurteile: Viele Therapeut*innen und Psychiater*innen haben verinnerlichte Vorurteile darüber, wie bestimmte Neurodivergenzen aussehen und wer sie haben kann. Zum Beispiel wird oft behauptet, Autismus würde hauptsächlich oder ausschließlich Männer betreffen, ADHS gäbe es nur bei Kindern, Borderline nur bei Frauen und so weiter. Bestimmte Eigenschaften werden auch als Ausschlusskriterium benutzt, zum Beispiel behaupten viele „Profis“, dass Autist*innen generell nicht in der Lage wären, ein zusammenhängendes Gespräch zu führen.

  • Rassismus (sehr ableistischer Artikel), Sexismus und andere *ismen spielen oft eine große Rolle bei Fehldiagnosen oder Nichtdiagnosen.

  • Komorbiditäten: Manche Kombinationen werden als unwahrscheinlich oder unmöglich gesehen. Zum Beispiel bestreiten viele Menschen, dass es möglich ist, sowohl Autismus als auch Borderline zu haben, da sie angeblich genau das Gegenteil voneinander wären (was nicht stimmt). Manche Komorbiditäten maskieren sich auch gegenseitig. Zum Beispiel kann es sein, dass soziale Probleme weniger auffallen, wenn die entsprechende Person durch ADHS sehr hyperaktiv ist. Auch körperliche Behinderungen können Symptome maskieren.

  • Erlernte Fähigkeiten zur Kompensation und Anpassung: Besonders diejenigen von uns, die schon lange mit ihrer Neurodivergenz leben, entwickeln mit der Zeit Fähigkeiten, um mit dem Alltag und schwierigen Situationen umzugehen. Diese Methoden können Symptome teilweise maskieren. Es kann auch sein, dass es uns gelingt, mit bestimmten Situationen umzugehen (z.B. Schule oder Studium) und wir erst im Berufsleben oder im Familienalltag auf unüberwindbare Schwierigkeiten stoßen.

  • Blockaden: Lange Anreisewege zu spezialisierten Diagnosestellen, lange Wartezeiten, langwierige Diagnoseverfahren, Behandlungssperren und viele weitere Blockaden werden vom Gesundheitssystem willentlich in Kauf genommen. Diese Hindernisse treffen Leute mit Behinderungen, wenig Geld, wenig Zeit und anderen Schwierigkeiten natürlich besonders schwer.

Durch diese Auflistung wird klar, dass Menschen, die keine Diagnose oder keine korrekte Diagnose ihrer Neurodivergenz besitzen, sich oft in einer sehr schwachen und verwundbaren Situation befinden und besonders auf Unterstützung durch die neurodivergente Gemeinschaft angewiesen sind.

Menschen, die sich selbst diagnostizieren, sind oft nicht so privilegiert oder so wenig behindert, dass sie die Diagnose eigentlich nicht benötigen. Es sind oft die Menschen, die durchs System gefallen sind und die weder die richtige psychiatrische, medizinische oder therapeutische Unterstützung bekommen, noch vom sozialen System ausreichend aufgefangen werden.

Selbstdiagnosen sind oft das Resultat zahlloser Stunden verzweifelter Recherche, weil wir nicht wissen, was mit uns los ist, was wir tun können, um Hilfe zu bekommen oder welche Form von Hilfe wir überhaupt brauchen.

Daher sind die Stimmen von Menschen ohne professionelle oder formale Diagnose besonders wichtig. Es geht nicht darum, wie respektabel sie die Gemeinschaft nach außen präsentieren können, sondern darum, auch die Stimmen besonders marginalisierter und verwundbarer Menschen innerhalb unserer Gemeinschaft hörbar zu machen – und zwar in ihrer Gesamtheit, nicht nur in Bezug auf ein bestimmtes Thema.

Warum sollten wir Selbstdiagnosen akzeptieren und unterstützen?

Korrekte Diagnosen können uns helfen, richtige psychiatrische oder therapeutische Behandlung, einen Schwerbehindertenausweis, Arbeitsunfähigkeit und weitere Hilfeleistungen zu erhalten. Sie sind hauptsächlich ein Werkzeug für den Staat, um unsere Bedürfnisse abzuschätzen und für das medizinische, psychiatrische und therapeutische System, um herauszufinden, wie sie uns am besten helfen können.

Es ist auch verständlich, dass Diagnosen genutzt werden, um Gemeinschaften zu bilden mit Menschen, die viele Probleme und Eigenarten gemeinsam haben. Aber es ist ein Unding, dass dieses Werkzeug genutzt wird, um in unseren Gemeinschaften effektiv Ausschlüsse zu produzieren. Für gegenseitiges Empowerment, Austausch, Selbsthilfe und Aktivismus darf der Diagnosestatus keine Rolle spielen. Auch einige größere Organisationen zur Selbstfürsprache wie beispielsweise ASAN akzeptieren Selbstdiagnosen genauso wie formale Diagnosen.

Selbstdiagnosen sind ein Akt der Selbstbestimmung. Selbstbestimmung kommt im psychiatrischen, therapeutischen und medizinischen System oft zu kurz. Wir werden ignoriert, übergangen, uns wird gesagt, was uns helfen soll, auch wenn es nicht hilft und uns wird nicht geglaubt, wenn wir wissen, was wir brauchen.

Uns wird oft die Kompetenz abgesprochen, zu wissen, inwiefern wir selbst beeinträchtigt sind, welche Schwierigkeiten wir haben, welche Hilfe wir brauchen, welche Symptome und Beschreibungen auf uns zutreffen und welche nicht. Uns wird gesagt, dass „Profis“ mit einem entsprechenden Studium viel besser einschätzen können, was in unserem Kopf passiert, als wir selbst.

Viele von uns haben eine lange Liste von Fehldiagnosen. Gerade bei psychiatrischen Diagnosen ist es oft unerlässlich, als Patient*in kritisch zu prüfen, welche der gestellten Diagnosen wirklich zutreffen. Andersherum ist es auch möglich, herausfinden, dass Dinge zutreffen, die eben nicht diagnostiziert wurden.

Eine Diagnose ist kein zweifelsfreier Beweis und Diagnosen sind durchaus auch ein Politikum und ein Machtinstrument.

Selbstdiagnosen sind nicht zwangsweise weniger gründlich oder korrekt als formale Diagnosen. Die Diagnosekriterien, die beispielsweise im DSM 5 oder im ICD 10 aufgelistet sind, sind nicht ausschließlich für Ärzt*innen lesbar. Die komplizierte Sprache in diesen Dokumenten stellt zwar für viele Menschen eine Barriere dar, aber diese ist nicht zwangsweise unüberwindbar. Weiterhin sind in diesen Dokumenten sowohl Beispiele als auch Diagnoserichtlinien und Differentialdiagnosen aufgelistet (das heißt, andere Diagnosen, die ähnliche Symptome haben).

Mit ausreichender Recherche sind Selbstdiagnosen daher oft sogar hilfreicher für uns als Fremddiagnosen.

Es muss auch die Frage gestellt werden: Wem wird geschadet, wenn sich jemand eine falsche Selbstdiagnose stellt?

Ist die Person weniger eingeschränkt, weil sie die „falsche“ Bezeichnung für sich benutzt? Nein.

Hat die Person deswegen weniger Unterstützung verdient? Nein.

Hat die Person deswegen weniger das Recht, sich zu äußern und für sich selbst einzutreten? Nein.

Es wird immer Menschen geben, die sich falsch einsortieren – sei es beispielsweise durch Münchhausen-Syndrom, durch ärztliche Fehldiagnose oder durch falsche Selbstdiagnose. Dies darf jedoch kein Grund dafür sein, sämtliche Selbstdiagnostizierten auf den Prüfstand zu stellen, bis ihre Selbstdiagnose formal bestätigt wurde.

Es ist auch ein Irrglaube, dass behindertenfeindliche Organisationen und Menschen uns nur ernst nehmen würden, wenn wir alle genau die richtige Diagnose mit Brief und Siegel haben – sie nehmen uns so oder so nicht ernst. Jedes Argument ist diesen Leuten gleich lieb: Sie werden eine Selbstdiagnose benutzen, um zu behaupten, dass wir nicht glaubwürdig wären und eine formale Diagnose, um zu behaupten, dass wir nicht zurechnungsfähig wären.

Das Problem sind nicht Leute, die sich selbst diagnostizieren, Hilfe und Austausch suchen, an unserer Gemeinschaft teilnehmen und für unsere Rechte und Bedürfnisse eintreten. Das Problem sind Leute, die darauf beharren, ihre Erfahrung wäre die einzig richtige und keine anderen Beschreibungen akzeptieren. Das Problem ist das hasserfüllte Verhalten, die Machtkämpfe, das Mobbing, die Beschimpfungen und das Unterdrücken unbeliebter Stimmen und es ist völlig egal, ob dieses Verhalten von Leuten mit professioneller Diagnose oder mit Selbstdiagnose kommt.

Um gemeinsam kämpfen zu können, ist es nicht wichtig, dass jede Person die absolut richtige (Selbst-)Diagnose und Selbstbezeichnung besitzt. Die Einschränkungen und Behinderungen sind vorhanden, egal, ob sie korrekt benannt werden oder nicht.

Gemeinsam sind wir stärker. Und damit wir wirklich gemeinsam für unsere Rechte kämpfen können, ist es wichtig, dass wir nicht in Kleinkriege verfallen.

Wir müssen akzeptieren, dass viele von uns Komorbiditäten haben und dass wir auch bei identischen Diagnosen nicht alles komplett gleich erleben. Wir müssen die Leute mitnehmen, die keine großen eigenen Gemeinschaften haben, weil ihre Behinderungen es ihnen noch schwerer machen als uns. Wir müssen die Leute mitnehmen, die vom System sogar davon abgehalten werden, Zugang zu (korrekten) Diagnosen und dadurch zu Unterstützung zu bekommen.

Wir müssen dafür kämpfen, dass Diagnosen einfacher und schneller und richtiger zu erhalten sind und dass das psychiatrische und medizinische System unsere Rechte, unsere Bedürfnisse und unsere Selbstkenntnis respektiert.

Jede einzelne Person, die mit uns kämpfen will, macht uns stärker. Und wir müssen jede einzelne Person unterstützen, die nicht kämpfen kann. Weil wir besser sein müssen als dieses System. Weil es außer uns niemanden gibt, der es tut.

Weil die Leute, die wir in unserer Gemeinschaft nicht auffangen und beschützen können, im schlimmsten Fall sterben.

Beiträge gesucht: Neurodivergenz und Sexualität

Bist du neurodivergent (zum Beispiel Autist*in, ADHSler*in, Borderliner*in, depressiv, schizophren, hast eine PTBS, Zwangsstörung oder Anderes) und deine Neurodivergenz beeinflusst deine Sexualität?

Dann wünschen wir uns einen Beitrag von dir!

(Wir akzeptieren und unterstützen Selbstdiagnosen. Es ist auch okay, wenn du nicht weißt, wie deine Neurodivergenz heißt, sondern nur weißt, dass dein Kopf nicht so funktioniert wie der von den meisten Menschen.)

Wir hätten gerne einen Text darüber, wie deine Neurodivergenz deine sexuelle Orientierung, dein (Nicht-)Begehren, deine Vorlieben, deine Erfahrung von oder dein (Nicht-)Ausleben von Sexualität beeinflusst.

Ganz besonders würden wir uns natürlich über Beiträge von Schwarzen Leuten, People of Colour und behinderten Menschen freuen. Wenn es für dich schwierig ist, den Text zu schreiben, unterstützen wir dich gern.

Wenn du einen Text schreiben möchtest, kannst du uns zum Beispiel über unsere E-Mail-Adresse neuroqueer.blog@gmail.com kontaktieren. Wir sind auch auf Twitter mit dem Account @neuroqueer_blog. Bitte schreibt keine Texte als Kommentar auf diesen Post.

Wir bitten dich, die Textlänge auf ca. 600 Wörter zu begrenzen. Da es um Sexualität geht, darfst du gerne auch explizite Wörter benutzen und genau sagen, wovon du redest. Natürlich ist es auch okay, über ggf. vorhandene Traumatisierungen zu sprechen. Um Triggerwarnungen bzw. Content Notes werden wir uns kümmern.

Falls du einen Text einreichst, sag uns bitte, welchen Namen wir in der Veröffentlichung für dich benutzen sollen.

Bitte schick uns deinen Text bis zum 1. März 2016.

(Hinweis: Zum Thema Romantik und Beziehungen werden wir voraussichtlich zu einem späteren Zeitpunkt einen Aufruf starten.)

Selbstorganisation: realistische Tips

Es gibt unheimlich viele Texte, die beschreiben, wie Menschen sich dazu motivieren sollen, Dinge zu tun. Ich weiß nicht, für wen diese Tips geschrieben wurden, aber mit Sicherheit nicht für Leute wie mich.

In diesem Post will ich ein paar Tips für Leute wie mich zusammenstellen, die große Probleme mit Selbstorganisation haben oder damit, Dinge rechtzeitig oder überhaupt zu erledigen (siehe den Post exekutive Dysfunktion). Ich werde auch auf den Umgang mit Ängsten eingehen. Ich werde allgemeine Tips für die Benutzung von Organisations-Werkzeugen (Planer, Kalender, Listen…) zusammenstellen und am Ende verschiedene dieser Werkzeuge vorstellen und verlinken.

Ich kann nicht garantieren, dass diese Tips euch helfen, aber ich hoffe, dass sie zumindest für manche von euch nützlich sind!

1. Wie fange ich überhaupt an?

Wenn du überhaupt keine Organisation hast und (so wie ich) gar nichts auf die Reihe kriegst, kann es gut sein, von „unten her“ aufzubauen. Das heißt, zuerst die einfachen Dinge in den Griff zu kriegen, die dir keine Probleme bereiten werden.

Dabei geht es darum, den Tagesablauf und die regelmäßig anfallenden Aufgaben zu strukturieren, damit dir nicht unbedingt nachts um halb 2 nach dem Zähneputzen einfällt, dass du noch das Katzenklo putzen musst.

Hierbei ist es wichtig, ohne Druck zu arbeiten. Es darf kein Leistungsdruck entstehen. Du brauchst schaffbare Aufgaben und ein System, das auch Fehler verzeiht. Das Organisationssystem für die grundlegenden Dinge darf nichts enthalten, was dir Angst macht oder dich überfordert. Hier soll ein Hilfsmittel eingesetzt werden mit dem Ziel, den Energieaufwand für die Dinge zu verringern, die du sicher tun kannst. So bleibt am Ende mehr Energie für andere Dinge übrig und an schlechten Tagen schaffst du möglicherweise auch mit wenig vorhandener Energie dein Minimum.

Du könntest dir zum Beispiel eine Liste anlegen mit den täglich anfallenden Aufgaben, etwa: Zähneputzen, Frühstücken, Duschen, und so weiter. Wenn du diese Liste täglich benutzt, kannst du so den Kopf frei behalten für andere Dinge.

2. Angstbesetzte und große oder unangenehme Aufgaben

Dinge, die dir Angst machen, solltest du nicht auf derselben Liste notieren wie die grundlegenden Aufgaben. Wenn du zum Beispiel ein Notizbuch führst, sollten sie auf einer ganz anderen Seite stehen.

Es ist wichtig, dass dich die Angst vor wichtigen oder anstrengenden Aufgaben nicht davon abhält, die kleinen Dinge zu organisieren!

Bei großen, komplexen Aufgaben kann es helfen, sie in ihre Einzelschritte zu zerlegen und immer nur einen Schritt auf einmal zu machen. Wenn ich zum Beispiel die ganze Küche putzen muss, erschlägt mich diese riesengroße Aufgabe. Statt dessen schreibe ich mir jeden einzelnen Schritt auf: Den Kühlschrank ausmisten, das schmutzige Geschirr einsammeln, abwaschen und so weiter.

Bei Dingen, vor denen du Angst hast, kann es helfen, sich langsam heranzutasten.

Wenn ich zum Beispiel telefonisch einen Arzttermin ausmachen muss, verteile ich das auf mehrere Tage: Am ersten Tag suche ich mir eine Arztpraxis aus. Dann weiß ich schon ungefähr, was ich vorhabe, und wenn ich mir am zweiten Tag die Website anschaue, ist das nicht mehr so unheimlich. Am dritten Tag prüfe ich die Öffnungszeiten. Am vierten Tag rufe ich an.

Manchmal muss ich zwischen den einzelnen Schritten mehrere Tage Pause machen, um mich zu erholen. Das ist okay. Ich brauche eben unter Umständen ein paar Wochen, um einen Arzttermin auszumachen. Aber Schritt für Schritt wird die Aufgabe weniger bedrohlich.

3. Wenn gar nichts klappt und alles zu viel ist

Ich weiß, dass die meisten „Motivations-Tips“ sagen, dass du dich einfach zusammenreißen und das Zeug trotzdem machen sollst.

Das funktioniert vielleicht für manche Menschen, aber wenn du hier sehnsüchtig auf einen guten Tip hoffst, funktioniert es für dich offensichtlich genausowenig wie für mich.

Also hier der radikale Gegenvorschlag:

Mach weniger.

Und das meine ich ernst.

Du müsstest heute noch Geschirr spülen, einkaufen gehen, deine Hausarbeit schreiben und eine E-Mail beantworten, aber du hast keine Energie und das ist alles zu viel?

Okay.

Such dir eins von den Dingen aus. Das allerwichtigste. Und mach nur das. Danach hast du dir die Ruhe verdient, die du offensichtlich brauchst.

Und wenn das auch nicht klappt, dann lass es. Einfach so. Mach gar nichts.

Entscheide dich so früh wie möglich, deine restlichen Aufgaben für den Tag abzublasen. Denn jede Stunde, die du dich mit dem Gedanken quälst, was du heute alles nicht schaffen kannst, könnte eine Stunde sein, in der du dich statt dessen schonen und erholen könntest. Du hast diese Ruhe verdient.

4. Wie gewöhne ich mich daran, Organisations-Werkzeuge zu benutzen?

Wenn du so unorganisiert bist wie ich, wird es lange dauern und viele Anläufe brauchen, bis du dich an ein System gewöhnt hast.

Die Regel hier ist: Nicht verzagen!

Wenn du einen Eintrag in deinen Kalender machst und den Kalender für zwei Wochen vergisst, dann ist das nicht schlimm. Sobald du wieder daran denkst, mach einfach weiter.

Wenn du am Anfang sehr oft und lange den Kalender vergisst, dauert es vielleicht mehrere Monate, bis der Gedanke daran von alleine kommt. Aber es wird immer häufiger passieren.

Es kann helfen, die Dinge so zu platzieren, dass du sie nicht übersehen kannst.

5. Belohnungen

Überall heißt es immer: Belohne dich, wenn du etwas geschafft hast.

Ich unterschreibe das!

Belohne geschaffte Aufgaben mit Katzenstickern, bunten Zeichnungen in deinem Notizbuch, oder benutze eine App, die dich ganz automatisch für erledigte Aufgaben belohnt.

Aber nimm es nicht zum Anlass, dir Dinge, die dir guttun und Freude bereiten, so lange vorzuenthalten, bis du etwas geschafft hast. Selbstorganisation soll ein Hilfsmittel sein und darf kein Werkzeug werden, um dich zu bestrafen. Du hast Freude und Genuss verdient, auch, wenn du nur sehr wenig schaffst.

Ich möchte dir sogar empfehlen, dir an Tagen, an denen du gar nichts schaffst, ganz bewusst etwas besonders Schönes zu gönnen.

6. Eine kleine Auswahl an Organisationshilfen

6.1. Kalender oder Terminplaner(Papier)

Wir kennen sie alle! Der Vorteil ist, dass sich Termine auch im Voraus einfach eintragen und planen lassen. Der Nachteil ist, dass oft wenig Platz ist für zusätzliche Notizen ist.

6.2. Notizbuch oder Bulletjournal

Wie ein Bulletjournal funktioniert, ist zum Beispiel in diesem Post beschrieben.

Es lassen sich auch beliebige Abwandlungen und Vereinfachungen davon erstellen, die ganz genau den eigenen Bedürfnissen entsprechen.

Ein Notizbuch ist natürlich freier gestaltet als ein Bulletjournal.

6.3. Kanban

Kanban (Wikipedia-Link) ist ein System, in dem Aufgaben in verschiedene Spalten einsortiert werden, zum Beispiel: Zu erledigen, In Arbeit, Warten und Fertig.

Eine Website für Kanban ist zum Beispiel kanbanflow.

6.4. Todo-Listen, Post-Its und Notizzettel

Diese sollten ggf. an strategisch günstigen Stellen in der Wohnung angebracht werden. Grelle Farben und farbliche Markierung können bei der Benutzung helfen.

6.5. Kalender und Erinnerungen auf dem Handy oder PC

Diese haben den Vorteil, dass sie, im Gegensatz zu einem Kalender aus Papier, trotzdem auftauchen, wenn du sie vergessen hast.

6.6. Stoppuhren, Timer

Wenn du das Problem hast, dass du einfach die Zeit vergisst, dich in nutzlosen Aktivitäten verfängst und vor dich hin trödelst, ohne es zu merken, kann es helfen, Stoppuhren und Timer zu benutzen, die dich immer wieder daran erinnern, wie viel Zeit vergangen ist.

Es kann zum Beispiel helfen, die Zeit zu stoppen, wann du zum letzten Mal auf Twitter warst, damit du nicht alle 10 Minuten darauf schaust, sondern nur einmal pro Stunde. Es kann auch helfen, einen Timer zu stellen, damit du daran denkst, regelmäßig zu trinken und vieles mehr.

Eine Webseite, die einen Timer anbietet, ist zum Beispiel tomato-timer.

6.7. Gamification

Habitica ist eine Website und Handy-App, die Todo-Listen, tägliche Aufgaben und vieles mehr beinhaltet. Es ist gleichzeitig ein Spiel. Für erledigte Aufgaben kannst du Münzen sammeln oder Haustiere bekommen.

7. Beispiele (Fotos!)

20160205_043125.pngkanban

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