Neurodivergenz und Sexualität

Hier die Beiträge, die wir auf unseren Aufruf zu dem Thema erhalten haben. Ihr könnt uns natürlich auch gerne weiterhin Beiträge dazu schicken!


Inhalts-Hinweise für den folgenden Beitrag: Sexuelle Übergriffe

Anonym:

Meine Depression schlägt in das Gegenteil von dem um, was viele sagen: ich bin sexuell sehr aktiv und fordernd, trotz sexuellen Übergriffes in meiner Jugend, der schon beim Akt häufig zu Tränen führte. Ich habe angefangen Testosteron zu nehmen um zu transitionen und seitdem habe ich mich viel besser unter Kontrolle! Es sind eben doch die kleinen Erfolgserlebnisse. 🙂


Inhalts-Hinweise für den folgenden Beitrag: Erwähnung von Suizid, Drogen und Selbstverletzung

fynn alex:

Ich habe eine Borderline Persönlichkeitsstörung.

Ein Teil der Symptomatik sind Identitätsunsicherheiten und -Schwankungen. Diese sind auch in Sexualität deutlich bemerkbar. Seit meinem 14. Lebensjahr „questione“ ich meine sexuelle Orientierung.

Dies ging teilweise innerhalb eines Tages von „homosexuell“ zu „pansexuell“ zu „asexuell“ und wieder zurück zu heterosexuell.

Inzwischen würde ich vage sagen, dass es irgendetwas in Richtung „pansexuell homoromantisch“ am ehesten trifft, doch so einfach ist das nicht da ich mir auch über mein Gender im Unklaren bin und die Schwankungen in meiner Sexualität ziemlich extrem sind.

Ein Teil davon ist die Hypersexualität, eine Phase in der der Sexualtrieb deutlich ansteigt.

Diese überlappen häufig mit manischen Phasen, die bei mir allerdings nicht sonderlich ausgeprägt sind. In der Hypersexualitätsphase passiert es mir häufig, dass ich impulsiv sexuellen Kontakt suche, dies dann aber sehr schnell bereue. Teilweise suche ich auch sexuellen Kontakt als Selbstverletzungsmethode, weil ich weiß wie sehr ich es bereuen werde, oder um dissoziative Phasen zu beenden. Dieses impulsive sexuelle Verhalten passiert meistens auch im Zusammenhang mit Drogen oder Alkohol. Diese Mischung führt dann zu einem meist suizidalen Low am nächsten Tag bei dem ich meistens extrem „sex-repulsed“ bin, was bedeutet, dass ich mich von Sex und dem Gedanken stark abgestoßen fühle. Durch die emotionale Unausgeglichenheit fängt dies meistens schon bei Körperkontakt an. In dieser Phase bekomme ich also Selbstverletzungsdränge von einer einfachen Umarmung weil mich der körperliche Kontakt so abstößt. Diese sexuellen Schwankungen machen eine funktionierende Beziehung sehr schwierig.


Inhalts-Hinweise für den folgenden Beitrag: Erwähnung von Traumatisierung

Lian:

Ich bin asexuell. Üblicherweise wird Asexualität definiert als: „Empfindet keine sexuelle Anziehung“. Da ich mit dem abstrakten Begriff „sexuelle Anziehung“ wenig anfangen kann, weiß ich nicht, ob das auf mich zutrifft. Ich finde viele Menschen durchaus schön und ansprechend, aber das erzeugt in mir keine Gedanken an Sexualität, deswegen nenne ich es „ästhetische Anziehung“.

Durch Traumatisierungen ist Sexualität für mich schwierig. Vieles ist mir sehr unangenehm und triggert mich. Ich brauche klare Kommunikation und viel Aufmerksamkeit, um das zu vermeiden.

Meine empfindlichen Sinne führen dazu, dass viele Gerüche, Geschmäcke und Empfindungen, die bei sexuellen Handlungen auftreten, für mich sehr unangenehm sind. Das führt dazu, dass ich nur unter sehr bestimmten Bedingungen und mit Menschen, die sehr bestimmte Bedingungen erfüllen, überhaupt angenehme Sexualität erleben kann. Viele sexuelle Handlungen sind für mich extrem unangenehm, daher ist auch nur eine sehr eng begrenzte Auswahl für mich eträglich.

Wenn alle Bedingungen erfüllt sind und ich eine*n passende*n Sexualpartner*in dafür habe, kann Sexualität für mich relativ angenehm und entspannend sein. Meine persönliche Bewertung ist: Es ist etwas weniger gut als eine Rückenmassage und etwas besser als Haare waschen.

Insgesamt ist es also etwas, was ich mir durchaus gelegentlich vorstellen kann. Da es aber sehr schwierig ist, passende Partner*innen zu finden und die richtigen Bedingungen herzustellen, ich sehr, sehr selten Lust darauf habe und das alles einfach anstrengend ist, findet es in meinem Leben im Moment nicht statt und ich vermisse es auch nicht.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich überhaupt noch einmal Sexualität haben möchte. Ich habe zwar einige sehr schöne Erfahrungen gemacht, aber da sich das doch deutlich außerhalb meiner Wohlfühl-Zone befindet, ist es für mich auch ein Akt von Selbstfürsorge, es bleiben zu lassen.

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