Die Fehlende Macht Der Guten Menschen

ein Stück Text, in dem ich dafür plädiere, Gegengewalt neu zu lernen

Hinweis: Text beschreibt (angedeutet) sexualisierter Gewalt, Umgang mit „Grapschern“, Mobbing

Dieser Text wurde uns freundlicherweise von Nella als Gastbeitrag zur Verfügung gestellt.

 


 

Wir wurden falsch sozialisiert.

Bestimmt geschah das nicht aus böser Absicht, eher mit dem Vorsatz, künftige Generationen gewaltfreier zu erziehen, aber es ließ uns hilflos zurück in einer nicht-gewaltfreien Welt.

Wir lernen als Kinder, dass immer alles supi ist. Wenn es einen Bilderbuchkonflikt gibt, kann man darüber reden, es war gewiss ein Missverständnis, dann lachen wir darüber und trinken alle zusammen einen Kakao.

Wenn uns in der realen Welt Gewalt begegnet, wird sie wegerklärt. Wir wurden gemobbt? Das meinen die nicht so. Du musst das falsch verstanden haben. Du musst es ihnen verzeihen (ohne, dass es ihnen leidtun müsste). Versuche, ihnen aus dem Weg zu gehen. Etwas anderes kann man da nicht machen. Es wird mit den Schultern gezuckt.

Im konkreten Fall, wenn mal ein_e Lehrer_in eine_n Mobber_in erwischt, wie si_er etwas von dir kaputt macht, musst du di_em, di_er dich immer quält, vor allen die Hand geben und verzeihen. Ohne dass es dem Arsch leid täte, und alle wissen das; es ist eine öffentliche Demütigung des Opfers, dazu bestimmt, dass es künftig auch in deinem Interesse ist, die Gewalt gegen dich zu decken, geheimzuhalten, wenn möglich zu leugnen.

Wir lernen also „Gewaltvermeidung“, haha, welche Gewalt eigentlich, hier gibt es nichts zu sehen, geht weiter.

Die, die sich die Gewalt von vornherein nehmen, lernen, dass das ok ist; dass das „toleriert“, aus Hilflosigkeit ignoriert und von allen gedeckt wird.

Irgendwann lernt man vielleicht aus Versehen, sich zu wehren. Wer dem Bully eine in die Fresse brettert ist dann leider Aggressor_in, denn die Anfangsgewalt existiert ja nicht. Wer körperlich unterlegen ist, denen bleibt Verbalgewalt.

Ich habe gelernt, meine Mobber verbal fertig zu machen. Ich habe es geschafft, dass andere über sie lachten. Ich lernte das, ich musste es lernen – aber ich brachte es mir selbst bei und niemand erklärte mir jemals, dass DAS auch Gewalt ist, dass ich da eine Waffe hatte. Dass es in der Situation durchaus angebracht war, mich effektiv zu verteidigen, dass ich damit aber aufpassen musste, und sie in friedlichen Situationen wegstecken sollte.

Es gibt ja gar keine Gewalt ☺ Wir sehen nichts ☺

Ich persönlich packte meine Zunge nie weg, ich benutzte sie pro-aktiv, damit gar niemand auf die Idee kam, sich mit mir anzulegen. Das ist Gewalt, die ich gegen Unschuldige verübte, weil ich rein gar nichts von Gewalt wusste, nur dass es sie ja nicht gab.


 

Nähkästchenteil: wen’s anödet, scrolle nach unten; unten gibt’s natürlich noch Nazis.

(Ich möchte dies mir selbst vor 15 Jahren schicken können. Ich wollte wirklich Antworten, bekam aber keine.)

Irgendwann organisierte ich Wochenendveranstaltungen mit. Es gab einen Creep. Wir diskutierten oft, was wir mit ihm tun könnten, es lief immer nur darauf hinaus, dass ihn jemand mal wieder freundlich zur Seite nahm und mehr oder weniger kryptisch darum bat, sein Verhalten zu überdenken. (aka „Konfliktlösung: drüber reden; lieb sein“) Da sich nie etwas änderte, waren wir am Ende unserer Möglichkeiten angelangt. Wir konnten da nichts mehr tun. (Das sage ich heute sarkastisch. Damals war es wahr.)

Unsere Strategie bei den kleinen Cons war es, ihn nicht einzuladen, wenn er von sich versucht hätte, sich anzumelden, hätten wir versucht zu lügen, dass wir schon ausgebucht seien; im schlimmsten Fall hätten wir ihn auch hier geduldet.

Das kann man „keinen Arsch in der Hose“ nennen, aber es war die Hilflosigkeit von Menschen, die ihrer Erziehung gemäß rechtschaffen sein wollten – wir fühlten, dass wir IHM Gewalt antaten, wenn wir ihn ausschlossen, und hatten nie gelernt, die Gewalt, die er uns allen antat zu identifizieren, angemessen zu benennen und angemessen zu handeln, stattdessen ließen wir ihn weiter Leute belästigen.

(Ich sage hier übrigens natürlich nicht, wir hätten ihn – als Con-Veranstalter_innen – zusammenschlagen sollen, aber wir hätten Recht und PFLICHT gehabt, ihn offiziell aufgrund von mehrfachen Beschwerden sein Verhalten betreffend ohne Diskussion jetzt und zukünftig auszuschließen. Und das empfand ich damals als ungebürlich harsch, bzw dürfen wir sowas überhaupt, etc. Und ja, mich hatte er da auch schon begrapscht.)


 

Nazis. Ihr Erscheinen ist schon Gewalt, ihre Tattoos, ihre T-Shirts sagen „ich will dich und/oder andere „weg haben“. (Lest, was @hrmpfm schreibt! Tut, was @hrmpfm sagt! (Link führt zu einem Twitter-Thread))

Sie sind überall, und wo sie nicht direkt sind ist das faschistische Volk und die „konservative“ Familie. Wenn die den Mund aufmachen und süffisante Hetzreden zum besten geben, ist das Gewalt. Wir BEWAHREN den Frieden nicht durch Schweigen, wir stehen nur untätig herum und lassen die Gewalt stellvertretend zu. Auch wenn das bei Omis Geburtstag passiert. Wenn dein Cousin auf die weiße Tischdecke kackt, bewahrst du nicht den Familienfrieden und lachst nachsichtig. Oder vielleicht doch, weil es dir nie beigebracht wurde, adäquat zu reagieren und es dir ausgetrieben wurde, wenn du es versuchtest.

Am Ende habe ich kein Rezept dagegen, außer dem Versuch, mich selbst umzuerziehen, aktiv gegen die Gehirnwäsche anzudenken, was Gewalt sei und wo es nichts zu sehen/tun gibt.

Ha, ich habe leicht reden, da meine Familie tot ist. Ja, momentan kann ich tatsächlich nicht mehr danach handeln, was ich predige, und ich hatte nie einen schlimmen Onkel, den ich an Weihnachten tolerieren sollte, dafür war unser Familienfrieden 24/7 gestört. Durch mich. Das böse Kind. Das immer den armen Papa antagonisierte, wenn der fand, unter Hitler hätte es irgendetwas nicht gegeben. Ich habe 365 Tage im Jahr damit gelebt, bekommt bitte den Arsch an Weihnachten hoch! Bitte! Und nein, ihr tut der Familie damit keine Gewalt an, die Gewalt kam zuerst. Zieht euch den Schuh nicht an, haut ihn lieber der AFD-Schwägerin in die Fresse.

Und nein, man kann es auch nicht einfach mit Humor nehmen. Das heißt, über die Opfer auch noch zu lachen, kleinzureden, dass sie das verständlicherweise nicht lustig finden können. Du darfst nur mit Humor nehmen, was dich alleine selbst betrifft (und auch dann ist es kein Mittel, Gewalt zu beenden. Erst schlagen, dann ein lässiger Spruch, ok, Buffy-in-Ausbildung?)

Pathologisierung und Privilegien

Hinweis: In diesem Text werden behinderten-feindliche Schimpfwörter ausgeschrieben als Beispiele benutzt.

Trump und die anderen Menschen, die in den USA an die Macht gekommen sind, sind nicht „verrückt”, „wahnsinnig”, sie sind auch keine „Soziopathen”, sie sind nicht „krank” und sie haben keine „Angst”. Dies pathologisiert ihr Verhalten, das aber tatsächlich kein krankhaftes Verhalten ist.

Psychische Krankheiten sind vor allem dadurch definiert, dass durch sie ein Leidensdruck oder eine Beeinträchtigung entsteht. Wenn jemand aufgrund seines Hasses und seiner hasserfüllten Rhetorik, wegen seiner diskriminierenden Einstellungen und seiner gewaltvollen Pläne zum Präsidenten der USA gewählt wurde, verschaffen diese Dinge ihm weder einen Leidensdruck noch eine Beeinträchtigung. Im Gegenteil: Sie haben ihm seinen Erfolg erst ermöglicht.

Die westliche Gesellschaft ist ein komplexes Gebilde aus Privilegierung und Unterdrückung (Fachbegriff: Kyriarchat). Diese Bevorzugungen und Benachteiligungen finden aufgrund von Ethnie, Hautfarbe, Geschlecht, BeHinderung, Sexualität, Geldbesitz und vielen weiteren Faktoren statt.

Diese Struktur ist, was den Faschismus und den Machterhalt von Menschen wie Trump möglich macht.

Es geht nicht um die individuellen Eigenschaften von Trump und seinen Handlangern. Mit der Verschiebung auf die persönliche Ebene und Pathologisierung wird das dahinterliegende System von Privilegierung und Unterdrückung verschleiert. Die Verantwortung von Menschen in privilegierten Positionen (weiß, nicht behindert, cis, hetero, usw.) wird unsichtbar gemacht.

Wenn es nicht Trump gewesen wäre, wäre ein anderer, gleichartig hasserfüllter, reicher weißer Cis-Mann dahergekommen.

Behinderte und kranke Menschen sind nicht schuld am Faschismus. Faschismus ist keine Krankheit.

Übernehmt Verantwortung. Nutzt eure Privilegien. Bringt euren Familienmitgliedern, Arbeitskolleg*innen und Freund*innen bei, dass faschistische Ideen menschenfeindlich sind. Bekämpft den Faschismus – für euch selbst und für alle, die nicht kämpfen können.

 

Die vermeintliche Hierarchie zwischen körperlichen und psychischen Krankheiten

Menschen mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten erfahren viele verschiedene Arten von Misshandlung. Dazu gehören zum Beispiel Ausgrenzung, körperliche Gewalt, Fehl- oder Nicht-Behandlung und vieles mehr.

Oft entsteht eine Art Wettrennen darüber, welche Art von Misshandlung am schlimmsten ist oder welche Gruppe kranker oder behinderter Menschen davon am stärksten betroffen ist.

Ich denke, das liegt zum einen daran, dass über die Gewalt und Misshandlung gegen kranke und behinderte Menschen hauptsächlich geschwiegen wird. Gleichzeitig wird der Mythos verbreitet, der Staat, das medizinische System oder unsere Angehörigen würden sich um uns kümmern und es wäre schon irgendwie alles okay für uns. Daher haben wir oft den Eindruck, allen anderen würde es besser ergehen als uns selbst.

Vor allem Menschen, deren Behinderung hauptsächlich psychisch oder psychosomatisch ist, scheinen oft zu glauben, dass Menschen mit körperlichen Behinderungen eher ernstgenommen werden als Menschen mit körperlichen Behinderungen.

Dabei wird nicht nur vergessen, dass viele körperliche Behinderungen auch sehr oft nicht ernst genommen oder wahrgenommen werden, sondern es wird eine Art Hierarchie erstellt auf Basis der Annahme, es wäre immer von Vorteil, wenn die vorhandene Krankheit oder Behinderung anerkannt wird.

 

Es ist aber eben nicht immer ein Vorteil, wenn die Behinderung leicht ersichtlich ist. Menschen mit sichtbaren Behinderungen erfahren keinesfalls nur Unterstützung, Hilfe und Mitgefühl. In der Öffentlichkeit sind sie beispielsweise Spott, Anfeindungen oder Gewalt ausgeliefert, innerhalb des medizinischen Systems erfahren sie oft medizinisch legitimierte Misshandlungen.

Eine sichtbare Behinderung schützt uns nicht davor, als Störung wahrgenommen zu werden. Wenn ich mit meinem Rollator unterwegs bin, sind andere Menschen häufig genervt, weil sie mir Platz machen müssen, weil ich mich langsam bewege oder weil sie auf mich Rücksicht nehmen müssen. Die „Hilfe”, die fremde Menschen uns anbieten, wird oft grenzüberschreitend und ohne uns zu fragen einfach angewendet.

Freund*innen, Bekannte und Arbeitskolleg*innen erwarten oft, dass Menschen mit sichtbaren Behinderungen keine weiteren, unsichtbaren, sekundären Behinderungen haben. Es wird erwartet, dass wir uns über unsere Behinderung „hinwegsetzen”, sie ausgleichen, uns davon nicht einschränken lassen. Sie erwarten, dass wir alles tun, um trotzdem am produktiven Gesellschaftsleben teilhaben zu können (das heißt eigentlich immer nur: Lohnarbeit).

Wenn wir Treppen nicht erklimmen können, erwarten sie, dass wir natürlich einen langen Umweg in Kauf nehmen, um trotzdem teilnehmen zu können. Oder dass wir uns eben Stufe für Stufe nach oben kämpfen. Wenn wir etwas nicht schaffen, heißt das nämlich, dass wir uns nur nicht genug anstrengen oder es ja gar nicht wirklich wollen.

Als Beispiele zeigen sie uns gerne Erfolgsgeschichten von Menschen mit Behinderungen, die entgegen aller Widrigkeiten Erfolge hatten, die ihnen niemand zugetraut hat. Dabei ignorieren sie die Tatsache, dass dazu Privilegien und körperliche oder geistige Gegebenheiten nötig sind, die nicht alle behinderten Menschen haben.

 

Auch Körperliche Krankheiten sind oft unsichtbar. Gehörlosen Menschen sieht man zum Beispiel ihre Gehörlosigkeit nicht an, nicht alle Menschen mit körperlichen Krankheiten haben Gehhilfen und viele Menschen wissen selbst nicht unbedingt, dass sie eine körperliche Behinderung haben.

Menschen im näheren Umfeld glauben uns selten, wie schwer unsere Behinderung tatsächlich ist. Ärzt*innen, Therapeut*innen und natürlich Versicherungen und medizinische Dienste stellen unsere Behinderungen stets in Frage, egal, ob sie sie sehen können oder nicht.

Selbst, wenn wir offensichtliche Gründe für unsere Behinderung vorweisen können, wird erwartet, dass wir zunächst alles menschenmögliche probieren, um weniger behindert zu werden. Also müssen wir zuerst eine Psychotherapie machen und es trotzdem probieren und viel Sport machen und Yoga probieren und mehr schlafen und unsere Ernährung umstellen und all die anderen vielen Tricks, die angeblich unsere Gesundheit irgendwie verbessern können, auch, wenn sie uns tatsächlich vielleicht schaden.

 

Es werden oft nur Einschränkungen akzeptiert, die als alltäglich und normal angesehen werden. Eine Erkältung oder Rückenprobleme sind für die meisten Menschen leicht verständlich, aber schon Dinge wie behindernde Müdigkeit oder Schmerzen stoßen schnell auf Unglauben.

Wenn wir eine Behinderung schon lange Zeit haben, erwarten die meisten Menschen, dass wir uns inzwischen damit abgefunden und Methoden gefunden haben, um die Einschränkungen vollständig auszugleichen.

Wenn wir die Behinderung noch nicht lange haben, wird erwartet, dass wir ja problemlos ein paar Monate warten können, bis wir Untersuchungen bekommen, die vielleicht eine Diagnose ergeben, auf deren Basis wir dann vielleicht einen Schwerbehindertenausweis oder Mobilitätshilfen beantragen können.  

Wenn wir jung sind, wird erwartet, dass wir scheinbar unerschöpfliche Energieressourcen besitzen, mit denen wir jede mögliche Situation in den Griff bekommen können.

 

Die meisten Menschen, die selbst keine Behinderung haben, wollen einfach nicht einsehen, dass es Leute gibt, die nicht so viel leisten können wie sie selbst. Sie denken, Behinderung wäre zum Beispiel eine Strafe Gottes oder wir würden unseren Körper irgendwie falsch benutzen oder wir wären irgendwie selbst schuld daran oder wir müssten uns nur ein bisschen mehr anstrengen oder das wäre alles nur Einbildung.

Und wenn wir nicht behindert sein wollen (und natürlich dürfen wir damit nicht zufrieden sein!), dann sollen wir eben mal Akupunktur versuchen, zum Heilpraktiker gehen, oder eine Psychotherapie gegen chronische Schmerzen machen, oder mehr schlafen, damit der Blutdruck besser wird, oder wir sollen uns nicht so anstellen, oder unsere Symptome sind sowieso nur ein Ausdruck unseres unzufriedenstellenden Lebens, und wenn wir uns ein bisschen mehr anstrengen würden und ein bisschen aktiver wären, würde das alles besser werden.

Mit den tausend sinnlosen Tips geht es nicht darum, uns zu helfen. Es geht vielmehr darum, sich selbst irgendwie in einer besseren Position zu sehen, sich selbst einzureden, dass man selbst ja niemals in diese Situation geraten kann, weil man ja alles richtig macht.

Dazu kommt, dass sich niemand wirklich für uns verantwortlich fühlen möchte. Die Tatsache, dass wir Unterstützung und Hilfe brauchen und anderen Leuten Arbeit machen oder ihnen den Tag ein bisschen schwerer machen, stößt auf Unzufriedenheit. Wir sollten uns zufriedengeben mit dem, was wir haben und keine weiteren Ansprüche stellen.

 

Es gibt nur ganz wenige und eng definierte Arten von Krankheit und Behinderung, die in unserer Gesellschaft Mitgefühl, Verständnis und Unterstützung erfahren.

Dazu gehören zum Beispiel die ganz bestimmte, häufig auftretende Komplikationen des Älterwerdens, wie zum Beispiel Arthrose, nachlassende Bewegungsfähigkeit, nachlassende körperliche Stärke und so weiter (aber auch erst im „richtigen” Alter!).

Eine weiteres Beispiel könnte eine Depression sein, die mit einem ganz bestimmten, verständlichen Ereignis zusammenhängt, wie zum Beispiel dem Tod einer nahestehenden Person.

Dazu kommt, dass von Behinderten ganz bestimmte Verhaltensmuster erwartet werden. Jede kleinste Abweichung davon wird als Beweis dafür angesehen, dass die behinderte Person übertreibt oder lügt oder in Wirklichkeit gar nicht behindert ist.

Wer spazierengehen kann, kann doch ganz bestimmt auch arbeiten gehen, wer Filme schauen kann, kann doch gar nicht richtig krank sein, Rollstuhlfahrer*innen dürfen niemals die Beine bewegen oder gar aufstehen, wer einen Gehstock hat, kann ganz bestimmt nicht rennen, wer depressiv ist, darf nicht auf einer Party Spaß haben.

Wer einen Unfall hat und danach zum Beispiel eine Querschnittslähmung hat, muss danach in der Lage sein, das bisherige Leben so anzupassen, dass si*er trotzdem beeindruckende Erfolge erzielen kann.

Wer eine schwere Krankheit hat, muss danach entweder tot sein oder sich vollständig erholen.

Wer von Geburt an eine schwere Behinderung hat, wird kaum als menschlich angesehen. Es wird davon ausgegangen, dass diese Menschen so wie so früh sterben und nie etwas in ihrem Leben zustande bringen werden.

Die einzigen Erzählweisen von Krankheit und Behinderung sind also Geschichten mit zeitlich absehbarem, klaren Verlauf, die entweder mit dem Tod enden oder mit vollständiger Rehabilitation (das heißt: Lohnarbeit).

Wenn wir aber unser eingeschränktes Leben einfach leben wollen, nicht im Sterben liegen, aber keine Aussicht auf Besserung oder Rehabilitation besteht, fallen wir aus diesem Muster heraus. Dann kommen die Vorwürfe, das Herunterspielen, der Therapiedruck, die unerfüllbaren Erwartungen, der Unglaube und vieles mehr.

 

Die Diskriminierung gegen Behinderte findet nicht nur im öffentlichen Raum oder in privaten Beziehungen statt, sondern ist strukturell, gesamtgesellschaftlich verankert und auch gesetzlich unterstützt.

Damit meine ich nicht nur fehlende Rampen vor Gebäudeeingängen, Bordsteinkanten, die sich mit Rollstuhl oder Rollator nicht überwinden lassen, Bücher und Filme ohne Hörbuchausgabe oder Untertitel, unzugängliche oder defekte Aufzüge, fehlenden barrierefreien Wohnraum, sondern auch zum Beispiel die lachhafte finanzielle Versorgung behinderter Menschen, das Vorenthalten notwendiger Hilfsmittel, die Einschränkungen in Bezug auf erlaubte Ersparnisse, Einkommen, und vieles mehr.

 

Diese strukturellen Ausschlüsse betreffen alle behinderten Menschen.

Dabei ist es völlig egal, welcher Art unsere Krankheit oder Behinderung ist.

 

Der ableistische Hass nach #München und #Reutlingen

Amokläufe und Attentate machen uns Angst.

Nein, ich meine nicht euch, die weiß, deutsch und/oder psychisch einigermaßen „gesund“ durchs Leben gehen.

Ich rede von uns, gegen die sich nach solchen Vorkommnissen der Hass der gesamten Gesellschaft richtet.

Zwei Gruppen bekommen besonders viel von diesem „Backlash“ zu spüren: Zum einen People of Colour, besonders Schwarze Menschen und Menschen, die „arabisch“ aussehen. Besonders Muslim*innen wird vorgeworfen, Terrorist*innen zu sein.

Zum anderen psychisch kranke und anderweitig neurodivergente Menschen, die jetzt unter dem Generalverdacht stehen, tickende Zeitbomben auf dem Weg zu einer blutigen Gewalttat zu sein.

Am stärksten leiden darunter natürlich Menschen, die beides sind: also psychisch kranke bzw. neurodivergente People of Colour. (Anmerkung: Ich bin weiß.)

Ich hatte ursprünglich nicht vor, den zweihundert-tausendsten Text darüber zu schreiben, wie scheiße es ist, neurodivergente Menschen zu dämonisieren. Aber nachdem ich nicht einmal auf meinen gut gefilterten Accounts in sozialen Netzwerken davor verschont blieb, mache ich es jetzt doch.

Was mir am meisten auffällt, ist die Selbstverständlichkeit, mit der neurotypische, psychisch weitestgehend gesunde Menschen sich herausnehmen, über uns zu urteilen. Sie sind sich absolut sicher, dass sie das Recht haben, über unser Erleben zu schreiben, zu bewerten, wie gefährlich oder ungefährlich wir sind und wie man mit uns umgehen sollte.

Da wird darüber sinniert, ob unsere Diagnosen jetzt eigentlich „echt“ sind, ob wir wirklich „krank“ sind oder ob wir „krank gemacht“ werden (ohne uns zu fragen, ob „krank“ überhaupt das richtige Wort ist!).

Dann wird diversen Neurodivergenzen die Legitimität abgesprochen, Depressionen wären Quatsch, Antisoziale Persönlichkeitsstörung gäbe es ja gar nicht, diverse Diagnosen wären in Wirklichkeit nur ein beschönigender Name für Gewaltbereitschaft und so weiter.

Niemand kümmert sich darum, uns mal zu fragen. Bestenfalls werden Psycholog*innen oder Psychiater*innen gefragt – die natürlich auch wieder denken, sie hätten das absolute Definitionsrecht über unsere Köpfe.

Die Verfasser*innen der Hass-Texte scheinen dabei noch nicht einmal grundlegende Ahnung von dem Thema zu haben, über das sie schreiben. Ein besonders widerliches Beispiel ist dieser FAZ-Artikel (wenn ihr euch nicht sicher seid, ob ihr das anschauen wollt: NEIN.)

Mit kompliziert klingenden Wörtern und abwertenden Begriffen wird ein besonders fremdartiges, unmenschliches und angsteinflößendes Bild von uns gezeichnet.

Ich werde im Folgenden beispielhaft ein paar dieser Wörter erklären und aufzeigen, wie sie benutzt werden, um uns möglichst gefährlich wirken zu lassen. Die Liste ist bei weitem nicht vollständig.

Depressionen, depressiv: Depressionen sind eine schwere psychische Krankheit, die oft tödlich endet (durch Suizid).

Depressionen gehen oft mit Antriebslosigkeit einher. Depressive können ihren Alltag nicht mehr bewältigen, fühlen sich niedergeschlagen, hoffnungslos, wertlos, hilflos, kraftlos oder leer.

Depressionen nehmen uns die Fähigkeit zur Freude, machen unsere Gedanken ziellos und träge, führen zu Konzentrations- und Gedächtnis-Schwierigkeiten und können dazu führen, dass wir unsere Pflichten, unsere Hobbies, unsere Freundschaften und uns selbst vernachlässigen.

Wisst ihr, was kein Symptom für eine Depression ist? Genau: Gewalt!

Ob Menschen gewalttätig sind, ob Menschen andere verletzen oder töten, hat absolut nichts damit zu tun, ob sie depressiv sind.

Epidemie: Aus unerfindlichen Gründen wird immer wieder so getan, als sei irgendeine Neurodivergenz eine „Epidemie“, also eine Krankheits-Häufung. Wahlweise betrifft das zum Beispiel ADHS, Autismus, Depressionen oder was auch immer.

Die Wahrheit ist: So eine Epidemie gibt es nicht.

Psychische Krankheiten und Neurodivergenzen gibt es schon immer. Erbliche Neurodivergenzen wie z.B. Autismus, Schizophrenie oder ADHS werden einfach häufiger diagnostiziert bzw. ausführlicher differenziert als früher. Das Erscheinen von Neurodivergenzen mit erblichen Aspekten wie beispielsweise Persönlichkeitsstörungen hängt vom Umfeld der Betroffenen und ihren Erfahrungen ab. Auch hier ist es so, dass die diagostischen Verfahren ständig verfeinert werden.

Depressionen, Angststörungen und Burn-Out können von einer leistungsorientierten und hasserfüllten Gesellschaft wie der, in der wir leben, natürlich verursacht und verstärkt werden. Die Lösung ist aber nicht, Betroffene besser zu isolieren und stärker zu stigmatisieren.

Geisteskrankheit, geisteskrank: Dieses Wort tut so, als wäre es ein Synonym für „psychische Krankheit, psychisch krank“. Tatsächlich schwingt aber eine abwertende Einschätzung der Intelligenz und des Urteilsvermögens der betroffenen Person mit.

Der Begriff wird meistens als schwammige Bezeichnung für irgendwas benutzt, was die schreibende Person unverständlich und furchteinflößend findet. Wie genau das jetzt mit psychischen Krankheiten zusammenhängt, wird nicht erklärt. Weiß auch niemand. Darum geht es ja auch nicht; viel wichtiger ist, irgendwie eine Bevölkerungsgruppe zu finden, die als Sündenbock herhalten kann.

Pathologisch: Das ist einfach nur ein kompliziertes Wort für „krankhaft“. Wir selbst sehen nicht alle unsere Neurodivergenzen als „krankhaft“ wahr. Für die meisten von uns sind Stimmenhören, seltsame Wahrnehmungen, Angstzustände, Selbsthass, Kommunikations-Schwierigkeiten und vieles andere einfach unser Alltag. Unter manchem davon leiden wir, unter anderem nicht. Ob etwas „pathologisch“ ist oder nicht, entscheiden Therapeut*innen und Psychiater*innen aber oft, ohne uns überhaupt zu fragen.

Persönlichkeitsstörung: Im DSM 5 sind folgende Persönlichkeitsstörungen definiert: Paranoide PS, Schizoide PS, Schizotypische PS, Antisoziale PS, Borderline-PS, Histrionische PS, Narzisstische PS, Ängstlich-vermeidende PS, Abhängige PS, Zwanghafte PS. Keine einzige davon beschreibt gewalttätiges Verhalten oder gar Mord als ein Symptom.

Die meisten Persönlichkeitsstörungen sind durch ein Muster von Angst und/oder durch ungewöhnliche Bedürfnisse definiert. Sie beeinflussen das ganze Leben, oft auf sehr unangenehme und schwierige Art und Weise.

Hört auf, persönlichkeitsgestörte Menschen für eure beschissene ableistische Agenda zu benutzen und uns als Gewalttäter*innen abzustempeln.

Psychische Störung, psychisch gestört: Der Begriff der „Störung“ kommt in vielen Diagnose-Bezeichnungen vor und ist damit scheinbar (aber wirklich nur scheinbar) sachlich. Tatsächlich ist der Begriff stark abwertend. Jemanden als „gestört“ zu bezeichnen ist eine Beschimpfung. Eine „Störung“ ist eine Abweichung vom „Normalzustand“, ein Defekt, etwas, das „behoben“ werden muss. Na, vielen Dank auch…

Psychische Krankheit, psychisch krank: Psychische Krankheiten sind erworbene (nicht angeborene) Neurodivergenzen, die den Betroffenen großes Leid verursachen, wie zum Beispiel Depressionen.

Therapeut*innen und Psychiater*innen bezeichnen alles Mögliche als psychische Krankheit, ohne Betroffene zu fragen, ob diese es überhaupt so wahrnehmen. Meistens wird vorausgesetzt, dass bestimmte Neurodivergenzen immer mit einem großen Leidensdruck einhergehen.

Entsprechend vielfältig sind die Dinge, die als psychische Krankheiten bezeichnet werden. Dazu gehören zum Beispiel Psychosen, Bipolare Störung, Angststörungen, Zwangsstörungen, Persönlichkeitsstörungen wie Borderline oder Narzissmus und vieles mehr.

Allgemein „psychische Krankheiten“ als Ursache für irgendein gesellschaftliches Problem zu nennen, ist ungefähr so zielführend, wie „technische Defekte“ als Ursache für Probleme im Straßenverkehr zu nennen.

Das Problem ist nicht, dass viele Menschen psychisch krank sind. Das Problem ist, dass viele Menschen sich scheiße verhalten. Diese beiden Dinge sind absolut unabhängig voneinander.

Psychopathie, Soziopathie: Dies sind extrem abwertende Bezeichnungen für Menschen mit Antisozialer Persönlichkeitsstörung (ja, wieder diese „Störung“). Menschen mit ASPS erleben wenig oder keine Empathie und haben Schwierigkeiten damit, Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen.

Die Begriffe „Psychopath“ und „Soziopath“ sind vor allem aus blutigen Filmen und Serien bekannt, in dem Menschen mit ASPS als herzlose Mörder*innen dargestellt werden. Entsprechend rufen diese Wörter im Bewusstsein der meisten Menschen genau dieses Bild hervor.

Hier ist ein Blogpost, der mit den gängisten Vorurteile gegenüber Menschen mit ASPS aufräumt: Mandatory ASPD Post (englisch).

Hier ist ein Blogpost, in der eine Person mit ASPS darüber schreibt, was das bedeutet: Could you explain what ASPD is like? (englisch)

Wenn ihr keine ASPS habt, solltet ihr die Begriffe „Psychopath“ und „Soziopath“ definitiv nicht benutzen. Ein Text, in dem diese Wörter vorkommen, ist praktisch immer voll mit Ableismus.

Psychose, psychotisch: Psychosen sind Zustände, in denen eine Person Wahrnehmungen oder Vorstellungen hat, die sich von der Realität anderer Menschen deutlich unterscheiden. Psychotische Menschen können zum Beispiel Angst vor den Kameras in ihrer Wohnung haben oder davon überzeugt sein, dass Außerirdische ihre Gedanken steuern.

Psychosen sind etwas ganz anderes als eine Phantasie-Vorstellung. Was Menschen in Psychosen wahrnehmen, haben sie sich nicht „ausgedacht“ oder „erfunden“.

Psychotische Zustände gehen außerdem meistens mit weiteren massiven Problemen einher, zum Beispiel Konzentrations- und Gedächtnis-Schwierigkeiten, Probleme damit, klare Gedanken zu fassen und Entscheidungen zu treffen, große Angst vor Menschen und Orten und vieles mehr.

Menschen, die gerade eine Psychose erleben, sind nicht gefährlich. Die größte Gefahr geht von Verwirrungs-Zuständen aus, in denen psychotische Menschen unter Umständen schlechte Entscheidungen treffen können, wie beispielsweise aus einem Fenster zu springen, um sich vermeintlich in Sicherheit zu bringen oder in ein Flugzeug zu steigen und ans andere Ende der Welt zu fliegen, ohne sich darüber Gedanken zu machen, welche Folgen das für ihr Leben haben könnte.

In Filmen und Serien werden psychotische Menschen oft als gewalttätig dargestellt. Wir sehen dort Charaktere, die in ihrer Verwirrung andere Leute ermorden oder ausgeklügelte Terror-Anschläge vorbereiten.

Das ist völliger Quatsch. Die Benutzung des Fachbegriffes (den viele Betroffene übrigens ebenfalls ablehnen!) vermittelt ein falsches Gefühl von Sachlichkeit. In Wirklichkeit sind solche Darstellungen vor allem stigmatisierend und tragen dazu bei, systematische und institutionalisierte Gewalt gegen psychotische Menschen zu legitimieren.

Psychotische Menschen werden oft gegen ihren Willen zwangsbehandelt, in Psychiatrien und anderen Einrichtungen festgehalten und gezwungen, Medikamente zu nehmen, die ihnen nicht gut tun.

Dabei sind Psychosen einfach eine besondere Form des Erlebens, die nicht alle Menschen kennen. Sie können sehr unangenehm sein, aber sie können für die betroffenen Leute auch sehr spirituell, erfüllend, oder eben Alltag sein.

Psychotische Menschen sind einfach Menschen: Sie können liebenswürdig sein, sie können neugierig sein, sie können aber natürlich auch gewalttätig sein, so wie alle anderen Menschen auch.

Was Psychosen auf keinen Fall sein sollten, ist ein Aufhängungspunkt für eure beschissenen, behindertenfeindlichen Texte.

Schizophrenie, schizophren: Schizophrenie ist eine Neurodivergenz, deren Name gerne völlig wahllos für alles mögliche benutzt wird, das gar nichts damit zu tun hat. Nicht nur, dass Schizophrenie ständig mit Multipler Persönlichkeit verwechselt wird, sondern sie scheint auch noch alle möglichen, furchteinflößenden Dinge in sich zu vereinen:

Schizophrene sind der Archetyp der „Verrückten“ in unser behindertenfeindlichen Vorstellung. Schizophrenie geht mit Psychosen einher; viele Schizophrene haben Halluzinationen, hören Stimmen, werden als „wahnsinnig“, „irre“, „krank“ bezeichnet und vor allen Dingen stark stigmatisiert.

Schizophrene Menschen werden extrem häufig Opfer von Gewalt. Die Diagnose kann dazu führen, dass nichts, was sie sagen, ernstgenommen wird, auch, wenn sie von Gewalterfahrungen berichten. Sie werden oft zwangsbehandelt, institutionalisiert und ausgegrenzt.

Viele Schizophrene sind obdachlos, weil sie keine menschenwürdige Unterstützung bekommen. Aus (berechtigter!) Angst vor psychiatrischer Gewalt können viele schizophrene Menschen gar keine Hilfe suchen. Schizophrenie ist ein hoher Risikofaktor für Alkoholismus und andere Suchtkrankheiten.

Und dann kommt ihr daher und tut so, als wären Schizophrene jetzt irgendwie schuld an Gewalttaten, die sie überhaupt nicht begangen haben.

Seele, seelische Verfassung, seelische Krankheit: Auf den ersten Blick wirkt es so, als seien diese Begriffe synonym zu „Psyche, psychische Verfassung, psychische Krankheit“.

Der Begriff der „Seele“ hat allerdings noch viele weitere Bedeutungen.

Während die „Psyche“ oft als sachlicher Begriff für Vorgänge im Gehirn von Menschen verwendet wird, hat die „Seele“ auch religiöse und spirituelle Bedeutung. Als „Seele“ wird der innerste Kern, das Wesen von Menschen bezeichnet. Menschen können eine „gute Seele“ oder eine „bösartige Seele“ haben. Manche religiöse und spirituelle Konzepte beinhalten eine „unsterbliche Seele“.

Wenn also die „Seele“ eines Menschen als „krank“ bezeichnet wird, ist das eine sehr tiefgehende moralische Abwertung.

Selbstmord, Suizid: Menschen, die in ihrem Leben stark leiden, entscheiden sich möglicherweise dafür, dieses Leben zu beenden.

Das hat nichts, aber auch gar nichts mit der Entscheidung zu tun, vorher erstmal irgendwelche anderen Menschen zu töten. Dafür braucht es die anmaßende Anspruchshaltung, das Recht zu haben, über das Leben anderer Menschen zu bestimmen.

Bei Morden, auf die ein Suizid folgt, sind die Ermordeten oft weniger privilegiert als die Mörder*innen: Frauen töten ihre Kinder, Männer töten ihre Frauen.

Die allermeisten Menschen, die „Amok laufen“, sind weiß und männlich. Weiße Männer haben in unserer Gesellschaft eine sehr privilegierte Position, die ihnen viele Vorteile und vor allem Macht über marginalisierte Gruppen bringen kann. Wenn sie den Eindruck haben, dass ihnen diese Machtposition verwehrt wird, werden sie oft gewalttätig.

Wir brauchen definitiv ein Gespräch darüber, warum einige Menschen sich so selbstverständlich in der Machtposition sehen. Dabei sollten wir auch darüber reden, warum neurotypische Menschen sich so selbstverständlich in der Machtposition über neurodivergente Menschen sehen.

Das Leid von Menschen, die den Suizid wählen, ist nicht dazu da, von euch zur weiteren Stigmatisierung neurodivergenter Menschen instrumentalisiert zu werden.

Stimmen hören: Für viele Menschen ist es Alltag, mehr körperlose Stimmen zu hören als nur die tonlose Stimme des eigenen Denkprozesses.

Schizophrene Menschen, Menschen mit dissoziierten Persönlichkeits-Anteilen und andere neurodivergente Menschen hören besonders häufig Stimmen.

Aber auch Menschen, die sonst überhaupt keine erwähnenswerten Neurodivergenzen haben, können Stimmen hören. Das ist überhaupt nichts Gefährliches oder Krankhaftes, sondern einfach die Art, wie manche Köpfe funktionieren.

Diese Stimmen können lustig sein oder furchteinflößend, freundlich oder feindlich. Sie können nüchtern die Situation kommentieren, sie können Witze machen, unverständliches Geschrei von sich geben, Drohungen aussprechen oder Vorschläge machen. Und ja, sie können auch Befehle geben.

Aber sie können nicht die Kontrolle über einen Menschen übernehmen. Menschen, die Stimmen hören, sind kein willenloses Opfer dieser Stimmen.

Hier ist ein Vortrag darüber, wie es ist, Stimmen zu hören: The voices in my head (englisch, mit Transkript und Untertiteln in vielen Sprachen).

Unterschiedliche Arten, die Welt und sich selbst zu erleben, sind Teil der menschlichen Vielfalt, kein Gruselkabinett.

Wahn, Wahnsinn, Wahnvorstellung, Irrsinn, irre, verrückt: Diese und ähnliche Wörter bezeichnen so ungefähr alles, was irgendwie als „unverständlich“ gilt. Dabei wird komplett ausgeblendet, wie diese Begriffe benutzt wurden, um massive Gewalt gegen neurodivergente Menschen zu rechtfertigen.

Ich hab jetzt echt nicht die Kraft, einen Aufsatz darüber zu schreiben, wie sogenannte „wahnsinnige“ oder „irre“ Menschen in der Geschichte der westlichen Kultur gefoltert und ermordet wurden (und bis heute werden).

Die Begriffe werden immer wieder durch „freundlichere“ oder „wissenschaftlichere“ Wörter ersetzt. Heute wird statt „wahnsinnig“ oft „psychotisch“ gesagt, statt „verrückt“ eben „krank“ oder „gestört“. Aber die stigmatisierende Verwendung der Begriffe bleibt genau dieselbe: Es wird impliziert, dass neurodivergente Menschen eben irgendwie gefährlich, schlecht, kaputt und weniger menschlich wären als neurotypische Menschen.

Es wird auch so getan, als sei „der Wahnsinn“ etwas, das objektiv feststellbar wäre; etwas, das Menschen „befällt“ und sie dazu führt, bösartige oder lächerliche Dinge zu tun.

Das Problem ist aber nicht, wenn sich Menschen aufgrund von Verwirrung, Unwissen, psychotischen Zuständen oder emotionalen Ausfällen böse verhalten: Das Problem ist, wenn Menschen sich bewusst, wissentlich, unter Kenntnis der Alternativen und ihrer (oft privilegierten) Position so verhalten.

Zum Beispiel, indem Menschen, die noch nie ernsthaft als „wahnsinnig“ bezeichnet und mit Zwangseinweisung bedroht wurden, solche Begriffe benutzen, um irgendjemanden als möglichst unmenschlich darzustellen oder lächerlich zu machen.

Schlusswort

Hört auf, zu behaupten, Menschen würden Gewalttaten begehen, weil sie psychisch krank oder neurodivergent seien. Menschen sind gewalttätig, weil sie die Entscheidung treffen, anderen Gewalt anzutun. Das hat nichts damit zu tun, ob sie neurodivergent sind oder nicht.

Wenn ihr die Entscheidung trefft, auf diese Art und Weise neurodivergente Menschen weiter zu stigmatisieren, aus „eurer“ Gesellschaft auszuschließen, dann ist das auch ein Akt der Gewalt, den ihr absolut bewusst begeht.

Wir sind kein „Symptom“ einer „kranken“ Gesellschaft.

Wir sind Teil der Gesellschaft. Wir lesen eure Texte, die uns abwerten und verurteilen. Wir hören, wie ihr in der Öffentlichkeit darüber redet, wie unmenschlich ihr uns findet und wie viel Angst ihr vor uns habt.

Wir sitzen neben euch in der Bahn, im Büro, im Hörsaal, auf der Couch.

Ihr begegnet uns, ihr interagiert mit uns, jeden Tag.

Ihr kauft unsere Brötchen, ihr werft uns ein paar Cent in den Becher, ihr lacht über die Art, wie wir uns bewegen, wie wir reden und wie wir uns verhalten. Ihr dreht euch angewidert von uns weg oder beschimpft uns, wenn ihr erkennt, was wir sind.

Ihr macht uns das Leben schwer.

Hört auf damit.

Selbstdiagnosen

Eine Selbstdiagnose ist eine Diagnose, die nicht von einer Fachperson (Ärzt*in, Psychiater*in, Therapeut*in usw.) gestellt wird, sondern von einer Person für sich selbst. Das heißt, dass sich zum Beispiel jemand informiert, was ADHS ist und dann feststellt, dass er*sie ADHS hat.

Selbstdiagnosen werden oft kritisiert und Menschen ohne professionelle Diagnose wird oft gesagt, dass sie sich nicht als Autist*in, Borderliner*in usw. bezeichnen dürfen.

In diesen Beitrag möchte ich darstellen, warum Selbstdiagnosen oft nötig sind und ernstgenommen und respektiert werden sollten.

CN: Erwähnung vom Tod am Ende des Artikels.

Warum sind Selbstdiagnosen nötig?

Für viele Menschen ist der Zugang zu korrekten professionellen Diagnosen durch zahlreiche Probleme erschwert:

  • Legaler Status: Nicht alle Menschen haben (kostenlosen) Zugang zu medizinischer, psychiatrischer oder therapeutischer Behandlung. Beispielsweise für Geflüchtete oder Menschen ohne Aufenthaltserlaubnis besteht praktisch keine Möglichkeit, eine Behandlung oder Diagnose zu erhalten.

  • Sozialer und finanzieller Status: Viele Menschen können sich aus zeitlichen Gründen keine Behandlung oder Diagnostik leisten. Menschen ohne Krankenversicherung oder Leistungsanspruch, wie beispielsweise prekär Selbständige, haben ebenfalls keinen Zugang zu diesen Leistungen. Selbst wenn ein Leistungsanspruch besteht, wirken hohe Anreisekosten oft als zusätzliche Barriere.

  • Barrieren: Für viele Menschen ist es aus unterschiedlichsten Gründen sehr schwierig, Ärzt*innen oder Therapeut*innen zu erreichen. Körperliche Behinderungen, Ängste, exekutive Dysfunktion und vieles weitere können den Zugang zu Terminen und Behandlungsräumen erschweren oder unmöglich machen.

  • Diskriminierung und Ableismus (Behinderten-Feindlichkeit): In vielen Fällen ist es effektiv schädlich, eine Behandlung oder Diagnose zu verfolgen. Das psychiatrische System glänzt in vielen Fällen durch Nichtbehandlung, Fehlbehandlung und schädliche „Therapien“. Aber auch außerhalb ist Diskriminierung aufgrund von Neurodivergenzen oft völlig legal: Zum Beispiel erfordern manche Berufe medizinische Tauglichkeits-Zeugnisse, die nach einer therapeutischen oder psychiatrischen Behandlung nicht mehr zu erhalten sind. Auch auf private Versicherungen, zum Beispiel Berufsunfähigkeits-Versicherungen, können Diagnosen sich negativ auswirken.

  • Stigma: Psychiatrische und therapeutische Hilfe ist in unserer Gesellschaft immer noch stark stigmatisiert. Viele Menschen scheuen sich daher jahrelang, überhaupt entsprechende Hilfe zu suchen. Besonders Menschen, die für ihre (undiagnostizierten) Neurodivergenzen Gewalt erlebt haben, tun sich schwer damit.

  • Stereotype und Vorurteile: Viele Therapeut*innen und Psychiater*innen haben verinnerlichte Vorurteile darüber, wie bestimmte Neurodivergenzen aussehen und wer sie haben kann. Zum Beispiel wird oft behauptet, Autismus würde hauptsächlich oder ausschließlich Männer betreffen, ADHS gäbe es nur bei Kindern, Borderline nur bei Frauen und so weiter. Bestimmte Eigenschaften werden auch als Ausschlusskriterium benutzt, zum Beispiel behaupten viele „Profis“, dass Autist*innen generell nicht in der Lage wären, ein zusammenhängendes Gespräch zu führen.

  • Rassismus (sehr ableistischer Artikel), Sexismus und andere *ismen spielen oft eine große Rolle bei Fehldiagnosen oder Nichtdiagnosen.

  • Komorbiditäten: Manche Kombinationen werden als unwahrscheinlich oder unmöglich gesehen. Zum Beispiel bestreiten viele Menschen, dass es möglich ist, sowohl Autismus als auch Borderline zu haben, da sie angeblich genau das Gegenteil voneinander wären (was nicht stimmt). Manche Komorbiditäten maskieren sich auch gegenseitig. Zum Beispiel kann es sein, dass soziale Probleme weniger auffallen, wenn die entsprechende Person durch ADHS sehr hyperaktiv ist. Auch körperliche Behinderungen können Symptome maskieren.

  • Erlernte Fähigkeiten zur Kompensation und Anpassung: Besonders diejenigen von uns, die schon lange mit ihrer Neurodivergenz leben, entwickeln mit der Zeit Fähigkeiten, um mit dem Alltag und schwierigen Situationen umzugehen. Diese Methoden können Symptome teilweise maskieren. Es kann auch sein, dass es uns gelingt, mit bestimmten Situationen umzugehen (z.B. Schule oder Studium) und wir erst im Berufsleben oder im Familienalltag auf unüberwindbare Schwierigkeiten stoßen.

  • Blockaden: Lange Anreisewege zu spezialisierten Diagnosestellen, lange Wartezeiten, langwierige Diagnoseverfahren, Behandlungssperren und viele weitere Blockaden werden vom Gesundheitssystem willentlich in Kauf genommen. Diese Hindernisse treffen Leute mit Behinderungen, wenig Geld, wenig Zeit und anderen Schwierigkeiten natürlich besonders schwer.

Durch diese Auflistung wird klar, dass Menschen, die keine Diagnose oder keine korrekte Diagnose ihrer Neurodivergenz besitzen, sich oft in einer sehr schwachen und verwundbaren Situation befinden und besonders auf Unterstützung durch die neurodivergente Gemeinschaft angewiesen sind.

Menschen, die sich selbst diagnostizieren, sind oft nicht so privilegiert oder so wenig behindert, dass sie die Diagnose eigentlich nicht benötigen. Es sind oft die Menschen, die durchs System gefallen sind und die weder die richtige psychiatrische, medizinische oder therapeutische Unterstützung bekommen, noch vom sozialen System ausreichend aufgefangen werden.

Selbstdiagnosen sind oft das Resultat zahlloser Stunden verzweifelter Recherche, weil wir nicht wissen, was mit uns los ist, was wir tun können, um Hilfe zu bekommen oder welche Form von Hilfe wir überhaupt brauchen.

Daher sind die Stimmen von Menschen ohne professionelle oder formale Diagnose besonders wichtig. Es geht nicht darum, wie respektabel sie die Gemeinschaft nach außen präsentieren können, sondern darum, auch die Stimmen besonders marginalisierter und verwundbarer Menschen innerhalb unserer Gemeinschaft hörbar zu machen – und zwar in ihrer Gesamtheit, nicht nur in Bezug auf ein bestimmtes Thema.

Warum sollten wir Selbstdiagnosen akzeptieren und unterstützen?

Korrekte Diagnosen können uns helfen, richtige psychiatrische oder therapeutische Behandlung, einen Schwerbehindertenausweis, Arbeitsunfähigkeit und weitere Hilfeleistungen zu erhalten. Sie sind hauptsächlich ein Werkzeug für den Staat, um unsere Bedürfnisse abzuschätzen und für das medizinische, psychiatrische und therapeutische System, um herauszufinden, wie sie uns am besten helfen können.

Es ist auch verständlich, dass Diagnosen genutzt werden, um Gemeinschaften zu bilden mit Menschen, die viele Probleme und Eigenarten gemeinsam haben. Aber es ist ein Unding, dass dieses Werkzeug genutzt wird, um in unseren Gemeinschaften effektiv Ausschlüsse zu produzieren. Für gegenseitiges Empowerment, Austausch, Selbsthilfe und Aktivismus darf der Diagnosestatus keine Rolle spielen. Auch einige größere Organisationen zur Selbstfürsprache wie beispielsweise ASAN akzeptieren Selbstdiagnosen genauso wie formale Diagnosen.

Selbstdiagnosen sind ein Akt der Selbstbestimmung. Selbstbestimmung kommt im psychiatrischen, therapeutischen und medizinischen System oft zu kurz. Wir werden ignoriert, übergangen, uns wird gesagt, was uns helfen soll, auch wenn es nicht hilft und uns wird nicht geglaubt, wenn wir wissen, was wir brauchen.

Uns wird oft die Kompetenz abgesprochen, zu wissen, inwiefern wir selbst beeinträchtigt sind, welche Schwierigkeiten wir haben, welche Hilfe wir brauchen, welche Symptome und Beschreibungen auf uns zutreffen und welche nicht. Uns wird gesagt, dass „Profis“ mit einem entsprechenden Studium viel besser einschätzen können, was in unserem Kopf passiert, als wir selbst.

Viele von uns haben eine lange Liste von Fehldiagnosen. Gerade bei psychiatrischen Diagnosen ist es oft unerlässlich, als Patient*in kritisch zu prüfen, welche der gestellten Diagnosen wirklich zutreffen. Andersherum ist es auch möglich, herausfinden, dass Dinge zutreffen, die eben nicht diagnostiziert wurden.

Eine Diagnose ist kein zweifelsfreier Beweis und Diagnosen sind durchaus auch ein Politikum und ein Machtinstrument.

Selbstdiagnosen sind nicht zwangsweise weniger gründlich oder korrekt als formale Diagnosen. Die Diagnosekriterien, die beispielsweise im DSM 5 oder im ICD 10 aufgelistet sind, sind nicht ausschließlich für Ärzt*innen lesbar. Die komplizierte Sprache in diesen Dokumenten stellt zwar für viele Menschen eine Barriere dar, aber diese ist nicht zwangsweise unüberwindbar. Weiterhin sind in diesen Dokumenten sowohl Beispiele als auch Diagnoserichtlinien und Differentialdiagnosen aufgelistet (das heißt, andere Diagnosen, die ähnliche Symptome haben).

Mit ausreichender Recherche sind Selbstdiagnosen daher oft sogar hilfreicher für uns als Fremddiagnosen.

Es muss auch die Frage gestellt werden: Wem wird geschadet, wenn sich jemand eine falsche Selbstdiagnose stellt?

Ist die Person weniger eingeschränkt, weil sie die „falsche“ Bezeichnung für sich benutzt? Nein.

Hat die Person deswegen weniger Unterstützung verdient? Nein.

Hat die Person deswegen weniger das Recht, sich zu äußern und für sich selbst einzutreten? Nein.

Es wird immer Menschen geben, die sich falsch einsortieren – sei es beispielsweise durch Münchhausen-Syndrom, durch ärztliche Fehldiagnose oder durch falsche Selbstdiagnose. Dies darf jedoch kein Grund dafür sein, sämtliche Selbstdiagnostizierten auf den Prüfstand zu stellen, bis ihre Selbstdiagnose formal bestätigt wurde.

Es ist auch ein Irrglaube, dass behindertenfeindliche Organisationen und Menschen uns nur ernst nehmen würden, wenn wir alle genau die richtige Diagnose mit Brief und Siegel haben – sie nehmen uns so oder so nicht ernst. Jedes Argument ist diesen Leuten gleich lieb: Sie werden eine Selbstdiagnose benutzen, um zu behaupten, dass wir nicht glaubwürdig wären und eine formale Diagnose, um zu behaupten, dass wir nicht zurechnungsfähig wären.

Das Problem sind nicht Leute, die sich selbst diagnostizieren, Hilfe und Austausch suchen, an unserer Gemeinschaft teilnehmen und für unsere Rechte und Bedürfnisse eintreten. Das Problem sind Leute, die darauf beharren, ihre Erfahrung wäre die einzig richtige und keine anderen Beschreibungen akzeptieren. Das Problem ist das hasserfüllte Verhalten, die Machtkämpfe, das Mobbing, die Beschimpfungen und das Unterdrücken unbeliebter Stimmen und es ist völlig egal, ob dieses Verhalten von Leuten mit professioneller Diagnose oder mit Selbstdiagnose kommt.

Um gemeinsam kämpfen zu können, ist es nicht wichtig, dass jede Person die absolut richtige (Selbst-)Diagnose und Selbstbezeichnung besitzt. Die Einschränkungen und Behinderungen sind vorhanden, egal, ob sie korrekt benannt werden oder nicht.

Gemeinsam sind wir stärker. Und damit wir wirklich gemeinsam für unsere Rechte kämpfen können, ist es wichtig, dass wir nicht in Kleinkriege verfallen.

Wir müssen akzeptieren, dass viele von uns Komorbiditäten haben und dass wir auch bei identischen Diagnosen nicht alles komplett gleich erleben. Wir müssen die Leute mitnehmen, die keine großen eigenen Gemeinschaften haben, weil ihre Behinderungen es ihnen noch schwerer machen als uns. Wir müssen die Leute mitnehmen, die vom System sogar davon abgehalten werden, Zugang zu (korrekten) Diagnosen und dadurch zu Unterstützung zu bekommen.

Wir müssen dafür kämpfen, dass Diagnosen einfacher und schneller und richtiger zu erhalten sind und dass das psychiatrische und medizinische System unsere Rechte, unsere Bedürfnisse und unsere Selbstkenntnis respektiert.

Jede einzelne Person, die mit uns kämpfen will, macht uns stärker. Und wir müssen jede einzelne Person unterstützen, die nicht kämpfen kann. Weil wir besser sein müssen als dieses System. Weil es außer uns niemanden gibt, der es tut.

Weil die Leute, die wir in unserer Gemeinschaft nicht auffangen und beschützen können, im schlimmsten Fall sterben.