Kommunikations-Karten

(English speakers please scroll down to the paragraph: „If you don’t speak German“)

Kommunikations-Karten sind dazu da, Sachen zu sagen, wenn Sprechen gerade schwierig ist oder nicht geht.

Ich habe eine große Sammlung von Kommunikations-Karten erstellt, die ihr hier herunterladen und selbst ausdrucken könnt.

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Anleitung

Ihr braucht:

  • Einen Drucker, am besten mit Farbe
  • Eine Schere oder anderes Schneidwerkzeug
  • Ausweishüllen in DIN A7 (74 mm x 105 mm)
  • Die PDF, die ihr unten herunterladen könnt

Sucht euch die Seiten heraus, die ihr haben wollt und druckt sie aus.

Am besten ist dickes, weißes Papier. Aber es geht auch mit dünnem Papier.

Danach schneidet ihr die Karten aus, die euch gefallen.

Steckt die Karten in die Ausweishüllen.

Die Ausweishüllen könnt ihr dann noch mit einer Schnur oder einem Schlüssel-Ring zusammenbinden.

Andere Formate

Wenn ihr die Karten nicht in DIN A7 haben wollt, müsst ihr euch ein eigenes Dokument anlegen.

Ladet die Karten als Bilddateien herunter.

Legt ein neues Dokument an (z.B. mit Word, Libreoffice oder Google Docs) und fügt die Bilder ein.

Stellt das Bild-Format so ein, dass es die richtige Größe hat.

Danach könnt ihr wie oben beschrieben weiter machen.

Downloads

Eine Text-Version der Texte auf den Karten sowie Bildbeschreibungen findet ihr weiter unten.

Erlaubte Nutzung und Rechtliches

Ich veröffentliche die Karten unter der Lizenz: Creative Commons Namensnennung 3.0 Deutschland.

Das bedeutet:

  • Für die private Nutzung dürft ihr mit den Karten natürlich alles machen, was ihr wollt.
  • Ihr dürft die Dateien veröffentlichen, verändern und sogar kommerziell nutzen. Dann müsst ihr aber meinen Namen als Urheber nennen (Lian Herzberg) und angeben, wenn ihr Veränderungen vorgenommen habt.

Die Bilder sind alle von OpenClipart und ggf. angepasst. Alle Grafiken auf OpenClipart sind Public Domain oder CC0, das heißt jegliche Nutzung ist ohne Auflagen erlaubt.

Wünsche und Vorschläge

Ich möchte die Sammlung hier stets erweitern. Wenn ihr noch Wünsche für weitere Kommunikations-Karten habt, hinterlasst gerne einen Kommentar, schreibt uns eine E-Mail oder kontaktiert uns auf Twitter.

If you don’t speak German

Would you like to have German-language communication cards but your language skills are not good enough to choose the ones you need? We’ll be happy to help, send us an email or contact us via twitter!

I am also always happy to make new communication cards if you have specific wishes. Feel free to ask.

If you would like to translate the communication cards, you do not need to ask. Download the vector graphics and go ahead. They are licensed as Creative Commons Attribution 3.0. That means you can freely publish copies and changed versions of the cards if you attribute me (Lian Herzberg) and indicate that you made changes.

Liste und Bildbeschreibungen

In dieser Liste steht der Text der Kommunikations-Karten. Auf jeder Karte ist zusätzlich noch eine Abbildung, daher gibt es hier auch Bildbeschreibungen.

  1. „Es geht mir nicht gut, aber ich brauche keine Hilfe. Das passiert mir öfter. Ich komme alleine zurecht.“ Bildbeschreibung: Der Umriss einer Hand, die den Daumen nach oben streckt.
  2. „Finger weg!“ Bildbeschreibung: Die Silhouette einer greifenden Hand ist durchgestrichen, ähnlich einem Warnschild.
  3. „Entschuldigung“ Bildbeschreibung: Der Umriss eines Herzens.
  4. „Autismus-Spektrum / Ich bin Autist*in. Deswegen reagiere ich empfindlich auf Geräusche, Berührungen und andere Sinneseindrücke. Mein Verhalten kann ungewöhnlich wirken. Aber so bin ich nunmal! Bitte nehmen Sie Rücksicht.“ Bildbeschreibung: Eine liegende 8 (das mathematische Zeichen für Unendlich) mit einem Regenbogen darin.
  5. Wie 4, aber „Autistin“ statt „Autist*in“.
  6. Wie 4, aber „Autist“ statt „Autist*in“.
  7. „Ich möchte allein gelassen werden. Das liegt nicht an dir. Ich bin im Moment überlastet und brauche Ruhe, um mich zu erholen.“ Bildbeschreibung: Eine stehende Comic-Figur mit geschlossenen Augen und neutralem Gesichtsausdruck steht dem Bildrand zugewendet. Die Figur hat braune Haut und kurze, rötliche Locken. Sie trägt einen hellen Pullover und eine dunkelgraue Hose.
  8. Wie 7, aber „Sie“ statt „du“.
  9. „Ich kann im Moment nicht sprechen. Aber ich kann aufschreiben, was ich sagen will.“ Bildbeschreibung: Eine Linienzeichnung von einem linierten Papier, über dem diagonal ein Füller liegt.
  10. „Ich kann im Moment nicht sprechen. Bitte lass mich in Ruhe und stelle Sie mir keine Fragen. Ich werde sagen, wenn ich wieder reden kann.“ Bildbeschreibung: Eine Comic-Figur mit X-Mund steht dem Betrachter zugewandt. Sie hat kurze, dunkelblonde Locken, hellbraune Haut und trägt einen blauen Pullover und eine dunkelgraue Hose.
  11. Wie 10, aber „Sie“ statt „du“.
  12. „Diese Situation überfordert mich. Ich kann es hier nicht aushalten. Bitte bring mich an einen ruhigeren Ort.“ Bildbeschreibung: Eine Comic-Figur mit angespanntem Gesichtsausdruck steht der Betrachterin zugewandt. Sie trägt ihr dunkelbraunes Haar in zwei Dutts. Sie hat braune Haut und trägt schlichte graue Kleidung.
  13. Wie 12, aber „Sie“ statt „du“.
  14. „Zu Laut / Es ist zu laut. Ich kann es nicht aushalten. Bitte mach es leiser. Oder bring mich an einen ruhigeren Ort.“ Bildbeschreibung: Die Silhouette eines Megaphons ist durchgestrichen, ähnlich einem Warnschild.
  15. Wie 14, aber „Sie“ statt „du“.
  16. „Medizinischer Notfall! Bitte rufen Sie sofort einen Krankenwagen! 112″ Bildbeschreibung: Eine vereinfachte Darstellung eines Krankenwagens.
  17. „Ich brauche Hilfe, um meinen Zielort zu erreichen. Adresse vom Zielort:“ Bildbeschreibung: Ein Pfahl mit vielen Wegweisern, die in verschiedene Richtungen zeigen.
  18. „Ich habe komplizierte Gesundheitsprobleme. Bitte beachten Sie meine medizinischen Notfall-Informationen!“ Bildbeschreibung: Eine Comic-Figur mit Arztkittel steht dem Betrachter zugewandt. Sie hat ein Klemmbrett in den Händen und lächelt. Sie hat dunkelbraune Haut, trägt eine Brille und hat kurzes, schwarzes Haar. Unter dem weißen Kittel trägt sie eine Krawatte und eine dunkle Hose.
  19. „Ich habe eine starke allergische Reaktion. Bitte rufen Sie sofort einen Krankenwagen! 112″ Bildbeschreibung: Eine vereinfachte Darstellung eines Krankenwagens.
  20. „Ich kann dich nicht verstehen. Bitte schreib auf, was du sagen willst.“ Bildbeschreibung: Es sind zwei Bilder. Das erste Bild zeigt zwei Hände mit dunkler Haut, die ein Smartphone bedienen. Das zweite Bild ist eine Linienzeichnung von einem linierten Papier, über dem diagonal ein Füller liegt.
  21. Wie 20, aber „Sie“ statt „du“.
  22. „Ich kann dich schlecht verstehen. Bitte sprich lauter.“ Bildbeschreibung: Die Silhouette eines Megaphons, in Richtung der Linienzeichnung eines Ohres gerichtet.
  23. Wie 22, aber „Sie“ statt „du“.
  24. „Ja“ Bildbeschreibung: Ein grüner Haken.
  25. „Nein“ Bildbeschreibung: Ein rotes X.
  26. „STOP“ Bildbeschreibung: Das STOP ist umrandet von einem roten, achteckigen Rahmen. Die Anordnung erinnert an ein Stoppschild.
  27. „Danke“ Bildbeschreibung: Ein Strauß aus violetten Blumen.
  28. „Bitte fassen Sie mich nicht an.“ Bildbeschreibung: Die Silhouette einer greifenden Hand, die mit einer dicken roten Linie durchgestrichen ist.
  29. Wie 28, aber „du“ statt „Sie“.
  30. „Können Sie mir bitte helfen?“ Bildbeschreibung: Es sind die Silhouetten zweier Hände zu sehen. Eine greift von oben herab, die andere von unten herauf. Die Hände scheinen nacheinander zu greifen.
  31. Wie 30, aber „du“ statt „Sie“.
  32. „Ich habe Ehlers-Danlos-Syndrom. Dadurch sind meine Gelenke sehr empfindlich und ich kann mich leicht verletzen. Deswegen muss ich vorsichtig sein. Das ist normal für mich.“ Bildbeschreibung: Ein Zebra ist von der Seite abgebildet.
  33. „Ich trage einen Gehörschutz, um Hintergrundgeräusche zu dämpfen. Damit kann ich dich besser verstehen. Du kannst ganz normal mit mir reden.“ Bildbeschreibung: Eine lächelnde Comic-Figur ist der Betrachterin zugewandt. Sie hat einen grünen Gehörschutz auf den Ohren. Sie hat braune Haut und trägt ihr dunkelbraunes Haar in zwei Dutts. Sie trägt graue Kleidung.
  34. Wie 33, aber „Sie“ statt „du“.
  35. „Ich habe eine Mastzellen-Störung. Deshalb reagiere ich allergisch auf viele Sachen. Zum Beispiel Nahrungsmittel, Chemikalien oder Gerüche.“ Bildbeschreibung: Eine Comic-Figur steht dem Betrachter zugewandt. Sie trägt einen weißen Mundschutz. Sie hat langes, glattes braunes Haar, dunkle Haut und trägt einen roten Pullover.
  36. „Mein Rollstuhl gehört zu meinem Körper. Bitte fass mich oder meinen Rollstuhl nicht ungefragt an.“ Bildbeschreibung: Hinter der Comic-Figur einer Person im Rollstuhl ist die Silhouette einer Hand zu sehen, die mit einer dicken roten Linie durchgestrichen ist. Die Person im Rollstuhl lächelt. Sie hat schulterlanges blondes Haar, helle Haut und hat die Arme vor der Brust verschränkt. Sie trägt einen grünen Pullover und eine blaue Hose.
  37. Wie 36, aber „Sie“ statt „du“.
  38. „Es geht mir gut.“ Bildbeschreibung: Ein lächelnder grüner Smilie.
  39. „Es geht mir nicht so gut.“ Bildbeschreibung: Ein neutral schauender orangefarbener Smilie.
  40. „Es geht mir schlecht.“ Bildbeschreibung: Ein traurig schauender roter Smilie.
  41. „Fatigue / Ich habe Fatigue. Das ist eine starke Erschöpfung, die meinen ganzen Körper betrifft. Ich werde schnell sehr müde. Deswegen muss ich mich oft ausruhen. Das ist normal für mich.“ Bildbeschreibung: Eine stehende Strichfigur ist dem Text zugewandt. Sie ist vornüber gebeugt und lässt die Arme hängen. Sie hat einen traurigen Gesichtsausdruck. Sie sieht sehr erschöpft aus.
  42. „Ich habe eine unsichtbare Behinderung. Obwohl ich gesund aussehe, bin ich stark eingeschränkt.“ Bildbeschreibung: Zwei Theater-Masken, eine lächelnd, die andere traurig. Beide Masken haben je eine schwarze und eine weiße Gesichtshälfte.
  43. „Ich habe eine Behinderung, wegen der es schwer für mich ist, zu gehen oder zu stehen. Darf ich mich bitte setzen?“ Bildbeschreibung: Eine Comic-Figur sitzt auf einem Hocker und lächelt in Richtung der betrachtenden Person. Sie hat kurzes Haar in Cornrows, dunkle Haut und trägt einen braunen Pullover und eine blaue Hose.
  44. „Ich habe eine Behinderung, die starke Schmerzen verursacht. Deswegen muss ich mich oft ausruhen. Manche Sachen kann ich deswegen nicht machen. Das ist normal für mich.“ Bildbeschreibung: Eine müde aussehende Comic-Figur ist dem Text zugewandt. Sie hat einen traurigen Gesichtsausdruck. Sie hat kurzes dunkelbraunes Haar, helle Haut und trägt einen roten Pullover, auf dem eine lächelnde Sonne zu sehen ist.
  45. „Nein, ich brauche keine Hilfe.“ Bildbeschreibung: Der Umriss einer Hand, die den Daumen nach oben streckt.
  46. „Meine Schmerzen sind gerade sehr stark. Bitte lass mich in Ruhe.“ Bildbeschreibung: Eine Comic-Zeichnung einer sehr angespannt aussehenden Person schaut in Richtung der betrachtenden Person. Sie kneift ihre Augen zusammen und zieht die Mundwinkel herunter. Sie hat orangefarbene Locken und trägt einen grauen Pullover.
  47. Wie 46, aber „Sie“ statt „du“.
  48. „Ich brauche etwas länger, um meine Gedanken zu ordnen. Bitte sei geduldig und lass mir Zeit zum Reden und Antworten.“ Bildbeschreibung: Eine nachdenklich aussehende Comic-Figur ist der betrachtenden Person zugewandt. Sie hat einen neutralen Gesichtsausdruck und hat eine Hand am Kinn. Sie hat kurzes dunkles Haar, braune Haut und trägt einen weinroten Pullover.
  49. Wie 48, aber „Sie“ statt „du“.
  50. „Ich kann im Moment nicht mehr richtig denken. Ich kann nichts mehr verstehen. Ich brauche Zeit, um mich zu erholen.“ Bildbeschreibung: Eine Comic-Figur sitzt im Schneidersitz und schaut in Richtung Bildrand. Sie hat einen neutralen Gesichtsausdruck und drei Fragezeichen über dem Kopf. Sie trägt einen rosafarbenen Pullover mit einem pinken Stern darauf. Sie hat langes dunkles Haar und braune Haut.
  51. „Meltdown / Ich fühle mich gerade sehr schlecht. Und ich kann mein Verhalten nicht kontrollieren. Das ist sehr anstrengend für mich. Es wird bald vorbei sein.“ Bildbeschreibung: Es ist eine Pilzwolke wie nach einer Atombomben-Explosion zu sehen. Sie ist orangerot eingefärbt.
  52. „Shutdown / Ich kann im Moment nicht denken und mich nur schwer bewegen. Das ist sehr anstrengend für mich. Ich brauche Ruhe, um mich zu erholen.“ Bildbeschreibung: Eine Comic-Figur mit X-Augen sitzt in der Ecke. Sie ist der betrachtenden Person zugewandt. Die X-Augen erinnern an eine tote Figur oder eine ausgeschaltete Maschine. Die Figur hat langes, glattes dunkelbraunes Haar, braune Haut und trägt einen weißen Pullover mit rosafarbenen Ärmeln.
  53. „Ich kann gerade nicht mit Menschen umgehen. Es ist mir zu viel und ich bin überfordert.“ Bildbeschreibung: Eine schwarze Katze mit aufgestelltem Fell und aufgestelltem Schwanz. Sie sieht aus, als hätte sie Angst und würde gleich kratzen.
  54. „Ich habe Angst. Bitte halten Sie meine Hand oder trösten Sie mich.“ Bildbeschreibung: Eine der beobachtenden Person zugewandte Comic-Figur, die ängstlich oder besorgt aussieht. Sie hat einen traurigen Gesichtsausdruck. Sie hält sich beide Hände ans Gesicht. Sie hat lange, dunkelblonde Locken und helle Haut. Sie trägt einen blaugrünen Pullover, auf dem eine stilisierte Sonne gezeichnet ist.
  55. Wie 54, aber „du“ statt „Sie“.
  56. „Ich habe eine Trauma-Folge-Störung. Krankenhäuser und Ärzte machen mir Angst. Bitte erklären Sie genau, was Sie machen. Gehen Sie vorsichtig und langsam mit mir um. Fragen Sie mich, bevor Sie mich anfassen. Bitte nehmen Sie Rücksicht.“ Bildbeschreibung: Ein Stethoskop (Gerät, das Ärzt*innen zum „Abhören“ benutzen).
  57. „Ich bin kein Rollstuhl! Es ist sehr unfreundlich, Menschen so zu nennen. Fußgänger nennen Sie ja auch nicht: Beine. Bitte sagen Sie: Mensch mit Rollstuhl. Oder: Rollstuhlfahrer*in.“ Bildbeschreibung: Ein Bild von einem leeren Rollstuhl und eine Linienzeichnung von einem Paar nackte Beine.
  58. „Ich kann nicht still halten. Ich habe eine Behinderung, wegen der ich mich dauernd bewegen muss. Ich kann es nicht kontrollieren. Ich mache es nicht mit Absicht. Bitte sagen Sie mir nicht, dass ich damit aufhören soll.“ Bildbeschreibung: Eine Strichfigur, die auf einem Bein steht. Das andere Bein hat sie in die Luft gehoben. Sie hat auch beide Arme angehoben. Sie hat einen überforderten Gesichtsausdruck.
  59. Wie 58, aber „du“ statt „Sie“.
  60. „Ich habe Tourette. Deswegen mache ich Bewegungen oder Geräusche, die ich nicht kontrollieren kann. Das ist anstrengend und schmerzhaft für mich. Manchmal sind es Sachen, die Sie vielleicht beleidigend finden. Bitte: Sagen Sie mir nicht, dass ich damit aufhören soll. Starren Sie mich nicht an. Fühlen Sie sich nicht angegriffen.“ Bildbeschreibung: Eine Strichfigur, die auf einem Bein steht. Das andere Bein hat sie in die Luft gehoben. Sie hat auch beide Arme angehoben. Sie hat einen überforderten Gesichtsausdruck.
  61. „Ich brauche Hilfe, um nach Hause zu kommen. Meine Adresse ist:“ Bildbeschreibung: Eine vereinfachte Darstellung eines Hauses.

Selbstorganisation: realistische Tips

Es gibt unheimlich viele Texte, die beschreiben, wie Menschen sich dazu motivieren sollen, Dinge zu tun. Ich weiß nicht, für wen diese Tips geschrieben wurden, aber mit Sicherheit nicht für Leute wie mich.

In diesem Post will ich ein paar Tips für Leute wie mich zusammenstellen, die große Probleme mit Selbstorganisation haben oder damit, Dinge rechtzeitig oder überhaupt zu erledigen (siehe den Post exekutive Dysfunktion). Ich werde auch auf den Umgang mit Ängsten eingehen. Ich werde allgemeine Tips für die Benutzung von Organisations-Werkzeugen (Planer, Kalender, Listen…) zusammenstellen und am Ende verschiedene dieser Werkzeuge vorstellen und verlinken.

Ich kann nicht garantieren, dass diese Tips euch helfen, aber ich hoffe, dass sie zumindest für manche von euch nützlich sind!

1. Wie fange ich überhaupt an?

Wenn du überhaupt keine Organisation hast und (so wie ich) gar nichts auf die Reihe kriegst, kann es gut sein, von „unten her“ aufzubauen. Das heißt, zuerst die einfachen Dinge in den Griff zu kriegen, die dir keine Probleme bereiten werden.

Dabei geht es darum, den Tagesablauf und die regelmäßig anfallenden Aufgaben zu strukturieren, damit dir nicht unbedingt nachts um halb 2 nach dem Zähneputzen einfällt, dass du noch das Katzenklo putzen musst.

Hierbei ist es wichtig, ohne Druck zu arbeiten. Es darf kein Leistungsdruck entstehen. Du brauchst schaffbare Aufgaben und ein System, das auch Fehler verzeiht. Das Organisationssystem für die grundlegenden Dinge darf nichts enthalten, was dir Angst macht oder dich überfordert. Hier soll ein Hilfsmittel eingesetzt werden mit dem Ziel, den Energieaufwand für die Dinge zu verringern, die du sicher tun kannst. So bleibt am Ende mehr Energie für andere Dinge übrig und an schlechten Tagen schaffst du möglicherweise auch mit wenig vorhandener Energie dein Minimum.

Du könntest dir zum Beispiel eine Liste anlegen mit den täglich anfallenden Aufgaben, etwa: Zähneputzen, Frühstücken, Duschen, und so weiter. Wenn du diese Liste täglich benutzt, kannst du so den Kopf frei behalten für andere Dinge.

2. Angstbesetzte und große oder unangenehme Aufgaben

Dinge, die dir Angst machen, solltest du nicht auf derselben Liste notieren wie die grundlegenden Aufgaben. Wenn du zum Beispiel ein Notizbuch führst, sollten sie auf einer ganz anderen Seite stehen.

Es ist wichtig, dass dich die Angst vor wichtigen oder anstrengenden Aufgaben nicht davon abhält, die kleinen Dinge zu organisieren!

Bei großen, komplexen Aufgaben kann es helfen, sie in ihre Einzelschritte zu zerlegen und immer nur einen Schritt auf einmal zu machen. Wenn ich zum Beispiel die ganze Küche putzen muss, erschlägt mich diese riesengroße Aufgabe. Statt dessen schreibe ich mir jeden einzelnen Schritt auf: Den Kühlschrank ausmisten, das schmutzige Geschirr einsammeln, abwaschen und so weiter.

Bei Dingen, vor denen du Angst hast, kann es helfen, sich langsam heranzutasten.

Wenn ich zum Beispiel telefonisch einen Arzttermin ausmachen muss, verteile ich das auf mehrere Tage: Am ersten Tag suche ich mir eine Arztpraxis aus. Dann weiß ich schon ungefähr, was ich vorhabe, und wenn ich mir am zweiten Tag die Website anschaue, ist das nicht mehr so unheimlich. Am dritten Tag prüfe ich die Öffnungszeiten. Am vierten Tag rufe ich an.

Manchmal muss ich zwischen den einzelnen Schritten mehrere Tage Pause machen, um mich zu erholen. Das ist okay. Ich brauche eben unter Umständen ein paar Wochen, um einen Arzttermin auszumachen. Aber Schritt für Schritt wird die Aufgabe weniger bedrohlich.

3. Wenn gar nichts klappt und alles zu viel ist

Ich weiß, dass die meisten „Motivations-Tips“ sagen, dass du dich einfach zusammenreißen und das Zeug trotzdem machen sollst.

Das funktioniert vielleicht für manche Menschen, aber wenn du hier sehnsüchtig auf einen guten Tip hoffst, funktioniert es für dich offensichtlich genausowenig wie für mich.

Also hier der radikale Gegenvorschlag:

Mach weniger.

Und das meine ich ernst.

Du müsstest heute noch Geschirr spülen, einkaufen gehen, deine Hausarbeit schreiben und eine E-Mail beantworten, aber du hast keine Energie und das ist alles zu viel?

Okay.

Such dir eins von den Dingen aus. Das allerwichtigste. Und mach nur das. Danach hast du dir die Ruhe verdient, die du offensichtlich brauchst.

Und wenn das auch nicht klappt, dann lass es. Einfach so. Mach gar nichts.

Entscheide dich so früh wie möglich, deine restlichen Aufgaben für den Tag abzublasen. Denn jede Stunde, die du dich mit dem Gedanken quälst, was du heute alles nicht schaffen kannst, könnte eine Stunde sein, in der du dich statt dessen schonen und erholen könntest. Du hast diese Ruhe verdient.

4. Wie gewöhne ich mich daran, Organisations-Werkzeuge zu benutzen?

Wenn du so unorganisiert bist wie ich, wird es lange dauern und viele Anläufe brauchen, bis du dich an ein System gewöhnt hast.

Die Regel hier ist: Nicht verzagen!

Wenn du einen Eintrag in deinen Kalender machst und den Kalender für zwei Wochen vergisst, dann ist das nicht schlimm. Sobald du wieder daran denkst, mach einfach weiter.

Wenn du am Anfang sehr oft und lange den Kalender vergisst, dauert es vielleicht mehrere Monate, bis der Gedanke daran von alleine kommt. Aber es wird immer häufiger passieren.

Es kann helfen, die Dinge so zu platzieren, dass du sie nicht übersehen kannst.

5. Belohnungen

Überall heißt es immer: Belohne dich, wenn du etwas geschafft hast.

Ich unterschreibe das!

Belohne geschaffte Aufgaben mit Katzenstickern, bunten Zeichnungen in deinem Notizbuch, oder benutze eine App, die dich ganz automatisch für erledigte Aufgaben belohnt.

Aber nimm es nicht zum Anlass, dir Dinge, die dir guttun und Freude bereiten, so lange vorzuenthalten, bis du etwas geschafft hast. Selbstorganisation soll ein Hilfsmittel sein und darf kein Werkzeug werden, um dich zu bestrafen. Du hast Freude und Genuss verdient, auch, wenn du nur sehr wenig schaffst.

Ich möchte dir sogar empfehlen, dir an Tagen, an denen du gar nichts schaffst, ganz bewusst etwas besonders Schönes zu gönnen.

6. Eine kleine Auswahl an Organisationshilfen

6.1. Kalender oder Terminplaner(Papier)

Wir kennen sie alle! Der Vorteil ist, dass sich Termine auch im Voraus einfach eintragen und planen lassen. Der Nachteil ist, dass oft wenig Platz ist für zusätzliche Notizen ist.

6.2. Notizbuch oder Bulletjournal

Wie ein Bulletjournal funktioniert, ist zum Beispiel in diesem Post beschrieben.

Es lassen sich auch beliebige Abwandlungen und Vereinfachungen davon erstellen, die ganz genau den eigenen Bedürfnissen entsprechen.

Ein Notizbuch ist natürlich freier gestaltet als ein Bulletjournal.

6.3. Kanban

Kanban (Wikipedia-Link) ist ein System, in dem Aufgaben in verschiedene Spalten einsortiert werden, zum Beispiel: Zu erledigen, In Arbeit, Warten und Fertig.

Eine Website für Kanban ist zum Beispiel kanbanflow.

6.4. Todo-Listen, Post-Its und Notizzettel

Diese sollten ggf. an strategisch günstigen Stellen in der Wohnung angebracht werden. Grelle Farben und farbliche Markierung können bei der Benutzung helfen.

6.5. Kalender und Erinnerungen auf dem Handy oder PC

Diese haben den Vorteil, dass sie, im Gegensatz zu einem Kalender aus Papier, trotzdem auftauchen, wenn du sie vergessen hast.

6.6. Stoppuhren, Timer

Wenn du das Problem hast, dass du einfach die Zeit vergisst, dich in nutzlosen Aktivitäten verfängst und vor dich hin trödelst, ohne es zu merken, kann es helfen, Stoppuhren und Timer zu benutzen, die dich immer wieder daran erinnern, wie viel Zeit vergangen ist.

Es kann zum Beispiel helfen, die Zeit zu stoppen, wann du zum letzten Mal auf Twitter warst, damit du nicht alle 10 Minuten darauf schaust, sondern nur einmal pro Stunde. Es kann auch helfen, einen Timer zu stellen, damit du daran denkst, regelmäßig zu trinken und vieles mehr.

Eine Webseite, die einen Timer anbietet, ist zum Beispiel tomato-timer.

6.7. Gamification

Habitica ist eine Website und Handy-App, die Todo-Listen, tägliche Aufgaben und vieles mehr beinhaltet. Es ist gleichzeitig ein Spiel. Für erledigte Aufgaben kannst du Münzen sammeln oder Haustiere bekommen.

7. Beispiele (Fotos!)

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Stimming

Was ist Stimming?

Stimming ist ein englischer Begriff für „selbststimulierendes Verhalten“. Das Wort bezeichnet Dinge, die wir tun, um uns selbst kontrollierte Sinneseindrücke zu verschaffen.

Im Deutschen fehlt ein entsprechender Begriff.

Stimming wird oft als „Herumzappeln“, als „Nervosität“ oder „Unruhe“ fehlinterpretiert.

Es gibt unheimlich viele verschiedene Stims.

Ein paar Beispiele:

  • Im Sitzen hin und her schaukeln
  • Auf Gegenständen oder den Fingern herumkauen
  • Wörter oder Geräusche immer wieder wiederholen
  • Ins Licht blinzeln oder in flackernde Lichter starren
  • Schnippsen oder klatschen
  • Mit den Händen wedeln
  • An Dingen riechen
  • Salz lecken
  • Den Kopf gegen die Wand schlagen
  • Stricken
  • Eine Decke ganz fest um sich wickeln
  • und unzählige weitere Dinge.

Wie ihr seht, gibt es Stims für jeden einzelnen Körpersinn: Für den Gleichgewichtssinn, den Tastsinn, Geruchs- und Geschmackssinn sowie fürs Sehen und Hören.

Viele Stims basieren auf Wiederholung, wie das Schaukeln, Springen oder Blinzeln. Komplexe Tätigkeiten mit viel Wiederholung wie zum Beispiel Häkeln, Stricken, das Zeichnen von geometrischen Mustern, das Lösen von Puzzles oder Zauberwürfeln usw. können durchaus auch Stims sein.

Andere Stims basieren auf einem konstanten, kontrollierten Sinneseindruck. Hierzu zählen besonders Druck-Stims, also zum Beispiel der Einsatz von beschwerten Decken oder anderen Menschen, um Druck auf den eigenen Körper zu erzeugen, aber auch das feste Einwickeln einzelner Körperteile oder des ganzen Körpers. Aber auch zum Beispiel kopfüber vom Bett zu hängen, kann ein Stim sein.

Sichtbares Stimming wird von Außenstehenden oft für überflüssig und sinnlos gehalten. Sehr häufig wird intensives Stimming auch als „krankhaftes“ Verhalten betrachtet.

Warum stimmen wir?

Stimming ist aber nicht „krankhaft“, und es ist auch alles andere als sinnlos oder überflüssig. Im Gegenteil!

Stimming kann uns helfen, zum Beispiel eine Reizüberlastung durch kontrollierte, starke Sinneseindrücke auszugleichen. Es kann uns beruhigen und uns helfen, Belastungen auszuhalten. Es kann Stress und Ängste verringern und kann uns dabei helfen, uns auf andere Dinge zu konzentrieren.

Abgesehen davon macht Stimming auch unheimlich viel Spaß! Viele von den Menschen, die sehr viel und intensiv stimmen, sind sehr empfindlich gegen Sinneseindrücke. Wir nehmen die durch Stimming erzeugten Reize sehr stark wahr und wenn sie uns gut tun, bereitet uns das sehr viel Freude. Schon ein schwingender Stuhl in einem Wartezimmer kann für manche von uns aus einer angsterfüllten Situation eine euphorische Stim-Party machen.

Stimming kann auch ein Teil von unserer neurodivergenten Körpersprache und Kommunikation sein. Viele von uns wedeln zum Beispiel energisch mit den Händen, um sich auszudrücken. Manche Menschen machen Geräusche, die ihre Stimmung viel besser ausdrücken können als Wörter. Gemeinsames Stimming kann uns manchmal besser miteinander verbinden als ein Gespräch.

Wer stimmt?

Alle Menschen stimmen hin und wieder. Menschen mit ADHS, Autismus oder anderen Neurodivergenzen stimmen häufiger als neurotypische Menschen. Wir sind auch stärker auf Stims angewiesen, um unseren Zustand und die Reizaufnahme zu regulieren.

Ist Stimming schädlich?

Kurz gesagt: Nein!!!

Nein.

NEIN!!!!!

Stimming ist nicht schädlich. Im Gegenteil! Für viele von uns ist es absolut notwendig, um klarzukommen.

Leider ist Stimming sehr stark stigmatisiert. Viele von uns wachsen mit ständigen Ermahnungen auf. „Sitz doch mal still“, „Dein Gezappel macht mich ganz unruhig“, „Nimm die Finger aus dem Mund“ und ähnliche Anweisungen sind vielen von uns hinlänglich bekannt.

Schädliche „Therapien“ wie ABA versuchen sogar, autistischen Kindern das Stimming gewaltvoll abzugewöhnen und bezeichnen das dann als „Förderung“!

Aber das Abtrainieren von Stimming führt nicht dazu, dass wir weniger autistisch sind, weniger ADHS haben oder unser Gehirn plötzlich anders funktioniert. Es führt nur dazu, dass uns eine der wichtigsten Methoden fehlt, um die enorme Belastung durch Sinneseindrücke und Gefühle auszugleichen!

Die Stigmatisierung von Stims ist behindertenfeindliche Scheiße.

Sollte ich mir Stims abgewöhnen?

Wenn ein bestimmter Stim dich selbst stört, wünschst du dir vielleicht, ihn dir abgewöhnen zu können. Manche von uns haben Stims, die uns selbst schaden. Dazu gehören zum Beispiel: sich gegen den Kopf zu schlagen, sich die Haut aufzukratzen oder aufzubeißen, mit den Gelenken knacken, bis sie wehtun und vieles andere.

Stims können auch problematisch für uns sein, wenn sie nicht sozial akzeptiert sind oder als „eklig“ angesehen werden. Dazu gehören zum Beispiel: In der Nase oder in den Ohren bohren, (nicht-sexuelle) Berührungen am Intimbereich, laute stimmliche Stims und vieles andere.

Es besteht überhaupt keine Pflicht, sich solche Stims abzugewöhnen! Wenn es für dich okay ist oder wenn es dir zu mühsam wäre, sie dir abzugewöhnen, dann ist das ganz allein deine Entscheidung. Nur du selbst darfst bestimmen, was du mit deinem Körper machst, auch dann, wenn es ihm schadet! Wenn Menschen dich für deine Stims verurteilen, sind es schlechte Menschen.

Prinzipiell ist es erfahrungsgemäß unmöglich, sich Stims ersatzlos abzugewöhnen. Wenn wir sie bleiben lassen, wird das Bedürfnis nach kontrollierter Reizerzeugung nicht geringer. Daher können wir uns Stims meistens nur abgewöhnen, indem wir sie durch andere Stims ersetzen.

Wie kann ich schädliche Stims ersetzen?

Es ist oft schwierig, einen bestimmten Stim durch einen anderen zu ersetzen, da wir oft selbst nicht genau wissen, welche Sinneseindrücke der Handlung uns am wichtigsten sind.

Wenn jemand zum Beispiel an den Fingern kaut, ist das nicht nur ein Sinneseindruck, sondern viele verschiedene: Da ist zum einen das Gefühl, etwas mit den Fingern zu tun zu haben. Zum anderen gibt es einen geschmacklichen Eindruck. Der Kiefer ist ebenfalls beschäftigt. Das Beißen verursacht auch ein hörbares Geräusch. Außerdem entsteht eine starke Stimulation des Tastsinns an der Zunge, an den Lippen und an den Fingern.

Manchmal sind nur einige Komponenten eines Stims wichtig. In dem Fall könnte es zum Beispiel ausreichen, statt auf den eigenen Fingern auf einem Beißspielzeug herumzukauen. Für andere Menschen kann es aber auch nötig sein, zusätzlich den Tastsinn an den Fingern zu stimulieren.

Ein anderes Beispiel ist es, wenn sich jemand oft gegen den Kopf schlägt. Dadurch entsteht ein Geräusch, ein Druck am Kopf und eine Stimulation des Gleichgewichtssinns. Manche Menschen können diesen Stim dadurch ersetzen, dass sie zum Beispiel auf einem Trampolin springen oder kräftig hin und her schaukeln. Für andere ist es wichtiger, ein lautes Geräusch zu hören, und wieder andere können diesen Stim zum Beispiel durch einen Druckverband um den Kopf ersetzen. (Ich persönlich brauche je nach Situation alle drei.)

Wenn du einen bestimmten Stim wirklich dringend ersetzen willst, musst du damit rechnen, dass es viele Versuche brauchen wird. Manchmal klappt es auch nicht oder nur teilweise. Das ist okay. Du bist niemandem neurotypisches Verhalten schuldig!

Tipps für den Alltag

Das Schöne an Stimming ist, dass es sich wunderbar in den Alltag integrieren lässt. Es kann jedoch schwierig sein, sich über gesellschaftliche Normen und das Stigma hinweg zu setzen. Oft wird erwartet, dass wir uns ruhig verhalten, weil ständige Bewegungen und Zappeln als Nervosität, Unsicherheit oder Angst angesehen wird. Manche Stims werden auch als „verrücktes“ oder „krankhaftes“ Verhalten angesehen.

Es gibt unzählige Gegenstände, die sich als Stim-Spielzeuge benutzen lassen. Dazu gehört zum Beispiel Kinderspielzeug: Blinkende Bälle, Flummis, Spielzeugautos, Fingerfallen oder Rasseln können sich gut dazu eignen.

Es gibt auch Spielzeug, das explizit dafür hergestellt wird, um Menschen Beschäftigung für ihre Finger zu bieten. Stimtastic ist zum Beispiel ein Online-Shop, der Stim-Spielzeuge verkauft.

Baby-Beißringe oder Beiß-Schmuck für Erwachsene können viel angenehmer zum Kauen sein als Fingernägel.

Ich kann euch nur empfehlen, euch über das angelernte Stigma und soziale Normen hinwegzusetzen und die Stim-Spielzeuge zu benutzen, die euch gut tun.

Wir müssen uns für Stimming nicht rechtfertigen. Lasst uns zusammen stimmen und das soziale Stigma gegen Stimming endlich abschaffen!

Exekutive Dysfunktion oder: Warum kriege ich nichts hin?

Was ist Exekutive Dysfunktion?

Exekutive Dysfunktion beschreibt im weitesten Sinne Probleme damit, Dinge zu tun. Das klingt sehr allgemein – und ist es auch. Der Begriff ist relativ unbekannt, was dazu führt, dass diejenigen von uns, die Exekutive Dysfunktion haben, oft selbst nicht wissen, was das Problem ist.

Wir halten uns für „faul“, „kaputt“, sind von den vielen Aufgaben des Alltags komplett überfordert und wissen einfach nicht, warum. Wir schieben Dinge wochen-, monate- oder jahrelang vor uns her, egal, wie dringend wir sie erledigen wollen oder müssen. Das „Vor-Sich-Herschieben“ wird oft auch Prokrastination genannt, aber Prokrastination im klassischen Sinne wird meistens durch Ängste verursacht, während Exekutive Dysfunktion etwas ist, das uns unser Leben lang und überall begleitet.

Exekutive Dysfunktion tritt besonders häufig bei Autismus, ADHS, Schizophrenie und anderen Neurodivergenzen und psychischen Krankheiten auf, ist aber nicht darauf beschränkt.

Was umfasst die Exekutive Dysfunktion?

„Exekutive Funktionen“ ist der allgemeine Begriff für die Fähigkeit, Aufgaben anzufangen, fortzusetzen und abzuschließen. Exekutive Dysfunktion, also eine Störung der Exekutiven Funktionen, behindert uns entsprechend darin. Mit dem Wort „Aufgabe“ ist hier ganz allgemein irgendein Ding gemeint, das getan werden soll, also zum Beispiel „ein Glas Wasser trinken“, „das Zimmer aufräumen“ oder „eine Abschlussarbeit schreiben“.

1. Aufgaben anfangen

Menschen mit Exekutiver Dysfunktion haben oft Probleme damit, Aufgaben zu beginnen.

Viele von uns haben Schwierigkeiten, Körpersignale wie Durst, Hunger oder Müdigkeit wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Deswegen vergessen wir oft, Aufgaben anzufangen, um diese körperlichen Bedürfnisse zu befriedigen.

Gesprochene Anweisungen sind für viele von uns schwierig zu verarbeiten. Wenn wir sie nicht aufschreiben, vergessen wir die Hälfte der Anweisungen sofort.

Aber auch, wenn wir genau wissen, was wir machen müssen, können wir es oft nicht machen, weil der Impuls zum Anfangen ausbleibt. Wir sind sozusagen startbereit, aber der Startschuss kommt einfach nicht.

Wir stehen oft überfordert vor der Gesamtaufgabe und sind unfähig, uns die Einzelschritte zu überlegen, die dafür nötig sind. Den Menschen ohne Exekutive Dysfunktion fällt das so leicht, dass sie meistens nicht einmal bemerken, dass zum Beispiel „Duschen“ nicht eine einzelne Aufgabe ist, sondern aus ganz vielen einzelnen Schritten besteht: Ich muss ins Bad gehen, mich ausziehen, das Wasser aufdrehen, dann muss ich die Shampooflasche nehmen, mir die Haare waschen, dann muss ich das Shampoo wieder ausspülen, dann das Duschgel nehmen, meinen Körper waschen und so weiter.

Viele von uns sind auch schon von der schieren Anzahl der Möglichkeiten überfordert, um eine Aufgabe zu lösen. Wir können uns nicht entscheiden, welches Kapitel unserer Abschlussarbeit wir zuerst schreiben, welche der 15 Tassen wir aus dem Schrank nehmen, ob wir über die Ampel oder durch die Unterführung gehen.

Gedächtnisprobleme können auch eine Rolle spielen, wenn wir zum Beispiel etwas, das wir einmal gelernt haben, in einer neuen Umgebung überhaupt nicht mehr anwenden können.

Diese Probleme führen dazu, dass wir oft schon beim Gedanken an eine komplizierte Aufgabe verzweifeln. Wir bleiben oft „stecken“ und anstatt eine Aufgabe zu erledigen, schaffen wir gar nichts mehr.

2. Weitermachen und Dranbleiben

Menschen mit Exekutiver Dysfunktion haben oft Probleme damit, an einer Aufgabe dranzubleiben, sie ohne Ablenkung oder unerwünschte Unterbrechungen fortzusetzen.

Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis/ Arbeitsgedächtnis können dazu führen, dass wir ständig vergessen, was wir gerade tun. Wir können uns nicht mehr erinnern, was wir gerade eben gemacht haben und wir haben oft zusammenhanglose Gedankengänge, die es schwer machen, eine Aufgabe lückenlos durchzuführen.

Konzentrationsschwierigkeiten und leicht ablenkbar zu sein ist auch ein Teil von Exekutiver Dysfunktion. Schon eine kurze Unterbrechung kann dazu führen, dass wir gar nicht mehr wissen, wo wir stehen geblieben waren und sehr lange brauchen, um wieder in die vorherige Tätigkeit hineinzufinden.

Viele von uns haben Probleme mit der Impulskontrolle, das heißt, wir lenken uns oft selbst ab, weil uns irgendwas ganz Wichtiges einfällt, das wir jetzt sofort unbedingt machen müssen, oder weil wir versuchen, viel zu viele Sachen gleichzeitig zu machen.

Ganz im Gegenteil kann es für uns aber auch manchmal extrem schwierig sein, wichtige Ablenkungen überhaupt wahrzunehmen. Das nennt sich Hyperfokus, das heißt, wir sind so konzentriert auf eine Aufgabe, dass wir alles andere komplett vergessen.

Viele von uns haben auch Probleme damit, zu erkennen, wann eine Pause oder Unterbrechung notwendig ist.

3. Aufgaben beenden und abschließen

Für Leute mit Exekutiver Dysfunktion kann es schwierig sein, eine Aufgabe zu unterbrechen oder zu beenden. Wie beim Anfangen fehlt uns der Impuls dafür. Wir machen einfach mit unserer momentanen Tätigkeit weiter, weil wir unsere Konzentration und unseren Gedankenstrang sehr schlecht selbständig unterbrechen können oder weil wir fürchten, nach einer Unterbrechung nie wieder hineinzufinden.

Aufgaben zu wechseln, ist für uns besonders schwierig, weil wir dazu nicht nur unsere momentane Aufgabe unterbrechen oder beenden müssen, sondern auch noch eine neue Aufgabe anfangen müssen – und damit haben wir wieder die zuvor beschriebenen Probleme.

Für viele von uns ist es auch schwierig, eine Aufgabe vollständig abzuschließen, weil wir durch Ablenkungen und Unterbrechungen immer aufhören, bevor wir fertig sind. Ein chronisches Problem für viele Menschen mit Exekutiver Dysfunktion ist das Ansammeln unzähliger angefangener Projekte, die sie niemals beenden.

Welchen Einfluss hat Exekutive Dysfunktion auf unser Leben?

Probleme mit Exekutiven Funktionen begleiten die meisten von uns unser ganzes Leben lang. Für viele von uns bestimmt es unseren kompletten Lebensablauf oder zumindest Teile davon.

Die Stärke der Exekutiven Dysfunktion kann abhängig sein von äußeren Umständen, Stresslevel, dem emotionalen und gesundheitlichen Zustand und vielen weiteren Faktoren. Verständnis und Unterstützung im Alltag können erheblich dazu beitragen, die Beeinträchtigung durch unsere Exekutive Dysfunktion zu verringern.

Wie zuvor beschrieben hat Exekutive Dysfunktion viele verschiedene Komponenten. Nicht alle von uns haben mit allen diesen Punkten Schwierigkeiten. Für manche Menschen kann es schwieriger sein, mit Ablenkungen umzugehen, andere haben größere Probleme mit der Aufgabenplanung.

Menschen, deren Leben stark von Exekutiver Dysfunktion beeinflusst ist, haben zum Beispiel Probleme mit dem Haushalt, mit dem Einkaufengehen, mit Körperflege, in der Schule, im Studium, beim Lernen, bei Hausarbeiten, aber auch damit, Termine wahrzunehmen, Papierkram zu erledigen, Freundschaften zu pflegen, einen Beruf oder Hobbies auszuüben.

Was kann helfen?

Was helfen kann, ist stark davon abhängig, welcher Teil der Exekutiven Funktionen uns am meisten Probleme macht.

  • Todo-Listen können helfen, um den Überblick über zu erledigende Aufgaben zu behalten.

  • Notizen können dabei helfen, sich mehrere Aufgaben oder die Einzelschritte zu merken. Sie können auch helfen, nach einer Ablenkung oder Unterbrechung den Faden wieder zu finden.

  • Erinnerungen, Alarme und Timer können helfen, um Anfangs- und End-Impulse zu geben.

  • Festgelegte Routinen können ebenfalls nützlich sein, um Anfangs- und End-Impulse zu geben.

  • Routinen können auch dabei helfen, um die Auswahl zu erleichtern: Wenn ich die gleichen Dinge immer auf die gleiche Art und Weise erledige, muss ich mir nicht jedes Mal lange überlegen, wie ich es dieses Mal machen will.

  • Medikamente können mit einigen Teilen der Exekutiven Funktionen helfen. Sie helfen manchen Leuten mehr, anderen weniger, manchen gar nicht. Nicht alle Menschen können überhaupt Medikamente nehmen. Medikamente sind keine Zauberei, aber einen Versuch kann es durchaus wert sein.

  • Das Zerlegen von großen Aufgaben in kleinere Teile und Einzelschritte kann sehr hilfreich für Leute sein, die von der Aufgabenplanung überfordert sein. Es ist oft überfordernd, sich eine ganze komplizierte Aufgabe auf einmal vorzunehmen. Wer zum Beispiel Schwierigkeiten hat, sich dazu zu motivieren, das ganze Zimmer aufzuräumen, hat es vielleicht leichter, nur eine einzelne Schublade aufzuräumen oder nur den Staub zu wischen. Es ist okay, wenn du eine Aufgabe, die andere Leute total einfach finden, schon anspruchsvoll findest und aufteilen musst!

  • Überforderung, Stress und Überlastung haben für viele von uns einen negativen Einfluss auf die Exekutive Dysfunktion. Daher kann es helfen, wirklich nur so viel zu machen, wie wir können, auch, wenn das viel weniger ist als bei anderen Menschen.

 

Ein paar Worte zum Schluss

Wenn du Probleme mit Exekutiven Funktionen hast, bist du damit nicht alleine!

Exekutive Dysfunktion ist etwas, das Menschen sehr stark behindern kann. Wie stark du damit kämpfen musst, sagt nichts über deine Intelligenz, deine Kreativität oder deinen Wert als Mensch aus. Du bist nicht „faul“ oder „kaputt“.

Es ist okay, wenn du Ausreden erfinden musst, um durchzukommen. Es ist okay, wenn du weinen musst, weil du mal wieder gar nichts hinbekommen hast. Du hast es verdient, dass auf deine Schwierigkeiten Rücksicht genommen wird. Exekutive Dysfunktion ist eine Behinderung, für die du nichts kannst.

Diejenigen von euch, die keine Exekutive Dysfunktion haben, möchte ich bitten, auf uns Rücksicht zu nehmen. Nehmt es uns nicht übel, wenn wir Abmachungen oder Termine nicht einhalten können. Wir geben uns Mühe.